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Familie Ball 1920 in Bad Harzburg, Quelle: Privatbesitz Jacqui Licht

Acht Leben

Wir haben uns mit der achtköpfigen jüdischen Familie Ball beschäftigt, die in der Zeit von 1905 bis 1939 in Braunschweig lebt. Die sechs Kinder werden alle noch in der Kaiserzeit geboren. Ihre Kindheit ist – mit Ausnahme der Jüngsten – durch den Ersten Weltkrieg geprägt. Ihr Schulbesuch während der Weimarer Republik ist wohl frei von Anfeindungen durch die Nazis. Zur Zeit des Nationalismus werden sie jedoch Opfer der NS-Rassenpolitik.

Abraham Ball besitzt ein Textilgeschäft, das ihm von den Nazis 1938 entzogen wird. Mit Ausnahme von Anna, der ältesten Tochter der Familie Ball, die bereits 1933 erkennt, welche Gefahren von den Nationalsozialisten ausgehen, und die nach Palästina flieht, bleiben die meisten Familienmitglieder länger in Deutschland, einige bis zu ihrer Ausweisung 1939. Mit ihrer Entscheidung riskieren sie alles: ihre Existenz, zwei von ihnen vielleicht sogar ihr Leben.

Abraham Ball wird in der Reichspogromnacht mit seinem Sohn Benno Ball in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Nach ihrer Entlassung fliehen sie nach England. Die meisten Familienmitglieder gehen nach Palästina oder England.

Glücklicherweise haben wir die Möglichkeit, mit drei Enkelkindern von Abraham und Gittel Ball in Kontakt stehen zu können. Durch eine Internet-Recherche haben wir drei Mitglieder der 3. Generation ausfindig gemacht. Wir haben durch sie weitere Informationen und auch Fotos von der Familie erhalten. Zum einen ist Susan Sonnenschein (63 Jahre) zu nennen, die an der Ostküste der USA lebt. Zum anderen haben wir durch Jacqui Licht (62 Jahre)  sehr viel erfahren. Sie lebt in Tel Aviv, ebenso wie ihre Cousine Gilah (71 Jahre), die die Tochter von Anna ist. Diese drei Frauen sind z. T. nur zögernd unserer Bitte nachgekommen, uns ihre Erinnerungen an ihre Vorfahren mitzuteilen. Sicherlich ist es für sie auch nicht einfach, sich den Fragen von Außenstehenden über das Schicksal ihrer Eltern und Großeltern zu stellen.