Die verschwundenen Dörfer im Böhmerwald

Im Böhmischen Wald, der auf bayerischer Seite als Bayerischer Wald bezeichnet wird und als Landschaftsschutzgebiet bzw. Naturpark ausgewiesen ist, findet man sonnenüberflutete Wiesen und dunkle Täler, felsige Bergkämme und von Bergbächen durchzogenes Weideland. Doch düster waren die menschlichen Schicksale, die sich hier abspielten. Infolge des 2. Weltkriegs musste die damals hier lebende deutsche Bevölkerung ihre Heimat verlassen. Nach der Sperrgebietsverkündung 1945 wurden alle von deutscher Seite einsehbaren Orte geschliffen. Häuser, Schulen, Schlösser und Kirchen wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Untergrafenried_Karte

Nun bedecken Moos und Strauchwerk die Überreste von Dutzenden Dörfern, Weilern, Einöden und Industriebetrieben. Mauerreste und Friedhöfe erinnern an die Ortschaften, die einst hier auf heute böhmischer Seite standen. Das ehemalige Grafenried (cz Lučina) ist eine dieser Ortschaften.

Die Klasse 9a der Maristen-Realschule Cham hat sich des verschwundenen Dorfes Grafenried angenommen: Die Schüler besuchten die Ausgrabungen, führten Interviews mit Zeitzeugen, erforschten die Vergangenheit, berichteten über die Zukunft. Die Videogruppe drehte zusätzlich den Film „Flashback“. Das ganze Projekt betreuten die beiden Lehrkräfte Christian Haringer und Markus Karl.

Grafenried stand an einer kleinen Anhöhe in der Nähe der deutschen Grenze (heute Grenzübergang Untergrafenried) westlich von Nemanice. Es waren auch die Ortschaften Anger (Upor), Seeg (Pila) und Haselbach (Liskova) eingemeindet. So lebten dort ca. 800 Leute. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die deutsche Bevölkerung aus dem Grenzgebiet abgeschoben und das Dorf zerstört.

Kreuz

Die Grafenrieder Kirche St. Georg stand noch bis in die 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts und obwohl sie den Status eines Denkmals besaß, wurde sie trotzdem vernichtet. Auf Initiative eines ursprünglichen Gemeindebewohners und der Historiker auf tschechischer Seite wurden die Überreste der Kirche 2011 teilweise freigelegt und pietätvoll renoviert.

Kirche

Der Besucher kann heute das freigelegte Presbyterium mit der neu gemauerten Altarmensa, die Sakristei, einen Teil des Kirchenschiffes und die Reste des Turms besichtigen. Im Jahr 2012 wurde nun begonnen, den ehemaligen Pfarrhof auszugraben. Große Teile der Grundmauern sind bereits sichtbar. Seit 2013/14 sind auch noch Teile des ehemaligen Gasthofs sichtbar. Weiterhin kann man den Friedhof, der heute noch von Angehörigen der Verstorbenen gepflegt wird, besuchen.

Friedhof

Der Böhmische Wald gewann durch diese Ausgrabungen und Freilegungen einen weiteren heiligen Ort und ein touristisch sehr interessantes Ziel …

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