„Ich erinnere mich an den Schock, ( 1957) den mir das in die europäische Landkarte eingezeichnete dichte Netz der Konzentrations- und sogenannten Arbeitslager versetzte.“ (Hubertus von Pilgrim, Bildhauer der 23 Mahnmale entlang der Dachauer Todesmarsch-Strecke und in Yad Vashem)

 

„In den Monaten März, April und in den ersten Maitagen des Jahres 1945 befanden sich mindestens 250 000 KZ-Häftlinge (etwa ein Drittel unter ihnen waren jüdische Häftlinge) auf Todesmärschen. Mit diesen  Evakuierungsmärschen wollte die SS-Führung ihrer Befreiung durch sowjetischen, britischen, französische oder amerikanische Truppen zuvorkommen. Etwa 25.000 Mitglieder der SS waren an der Räumung der Konzentraionslager und an der Bewachung der Todesmärsche beteiligt“. (Information aus der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem)

 

1.) Schritt um Schritt dem Tode entgegen ein Menschenstrom ins Ungewisse. Schritt um Schritt entgegen dem Ende. Wer wird sie betrauern, vermissen? Mama, ich will Dich wiederseh´n. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht „wann!?“. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

2.) So schwer sind die Beine, sie tragen nicht mehr den Rest der zerschundenen Körper. Am Wegesrand liegen zahlreich die Toten, die Opfer brutal kalter Mörder. Mein kleiner Bruder, will Dich wiederseh´n. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

3.) Hundegebelle, Geschrei, dann ein Schuss; und wieder ein Leben zu Ende. Ein Schneegestöber wird zum Leichentuch; fällt friedlich doch rasch auf die Fremde. Mein Schwesterlein, will Dich wiedersehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

4.) Kalte Tage noch kältere Nächte beenden für viele ihr Leben. Eisiger Regen auf dem Todesmarsch. Werd´ ich diese Qual überleben? Ihr Lieben, will Euch wieder sehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur fragt nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon viel zu lang. (Raphael und Aaron Haas, Mai 2017)