Streckenverlauf


Streckenverlauf 

©Design: Haas
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Drei Gruppen der 6887 Häftlinge, eingeteilt  in Hundertschaften und formiert in Fünferreihen, verließen das KZ Dachau zwischen der Früh und des Abends des 26. April 1945. (Laut Auskunft von Abba Naor „in der Früh“; laut Auskunft der Lagerschreibstube „um 21.00 Uhr“).

Marschverpflegung war ein Kilo Brot, etwas Käse und Margarine. 

Die Reihenfolge der drei Gruppen war: zuerst die russischen Gefangenen, dann die jüdischen Häftlinge und am Ende die „Reichsdeutschen“.

 

 

Erster Streckenabschnitt

Der Dachauer Todesmarsch führte entlang des Flusses „Würm“ nach Karlsfeld (6 km), Allach (6 km) Obermenzing (3 km) und Pasing (5 km). Hier stießen weitere 1200 Häftlinge aus Türkheim (20 km westlich von Landsberg) zu der Dachauer Marschkolonne hinzu. Auch waren in Allach – vor dem Eintreffen der Dachauer Häftlinge – ca. 2000 Gefangene des Allacher Zwangsarbeiterlagers bereits in Richtung Süden aufgebrochen. Weiter ging es durch das Würmtal nach Gräfelfing (3km), Planegg (3km), Krailling (1,5 km) und Gauting (4,5 km).

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Die erste Rast des auf ca. 8000 Häftlinge angewachsenen Todesmarsches fand auf den Wiesen und Feldern (in der „Würmschlucht“) zwischen Leutstetten und Petersbrunn, 5 km nördlich von Starnberg, statt, wo bereits die 2000 Allacher Zwangsarbeiter zuvor eingetroffen waren.

In der „Würmschlucht“ kamen die Dachauer Häftlinge am Morgen des 27. April 1945 gegen 11 Uhr, nach einem ca. 14-stündigen und 33 km langen Marsch an.

Laut „Google-Maps“ benötigt man für diesen Streckenabschnitt zu Fuß beinahe 7 Stunden, was veranschaulicht, wie mühsam der Marsch für die ausgehungerten und kranken Häftlinge gewesen sein muss, die dafür 14 Stunden benötigten.

In der „Würmschlucht“ zwischen Leutstetten und Petersbrunn rasteten somit insgesamt ca. 10.000 Häftlinge aus Dachau (6887), Türkheim (1200) und Allach (2000).


Zweiter Streckenabschnitt

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Bei kalter und regnerischer Witterung begann der Weitermarsch aller 10.000 Häftlinge am Abend (zwischen 19 und 21 Uhr) des 27. April 1945 in Richtung Starnberg (4 km).

Den Anfang des Zuges bildeten die Allacher Häftlinge; das Ende des Zuges die „Reichsdeutschen“.

Wegen den näher rückenden Amerikanern wurde der Weitermarsch nicht entlang des Westufers des Starnberger Sees, wie vorgesehen, genommen, sondern die östliche Route über Percha, Kempfenhausen nach Berg (6 km) eingeschlagen. Auch wurde wegen den Tiefflieger-Angriffen der Amerikaner der Todesmarsch in die Nacht verlegt.

 

 

 

 

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K.A. Hartmann – Originalhandschrift (Hartmann-Nachlass, Bay. Staatsbibliothek)

In Kempfenhausen am Lüderitzweg 39, wurde vom 27. auf den 28. April 1945 der Komponist Karl Amadeus Hartmann mit seiner Familie Zeitzeuge des Dachauer Todesmarsches:  „Am 27. und 28. April 1945 schleppte sich ein Menschenstrom von Dachauer „Schutzhäftlingen“ an uns vorüber – unendlich war der Strom – unendlich war das Elend – unendlich war das Leid –„ (Siehe dazu die Zeitzeugen Richard Hartmann und Elisabeth Hartmann).

 

 

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Die zweite Rast wurde (nach mehr als 30 km und einem 15stündigen Marsch) am 28. April 1945 um etwa 10.00 Uhr im „Bolzwanger Forst“ zwischen Achmühle (an der Loisach) und Eurasburg eingelegt.

Neben den bereits genannten 10.000 Häftlingen stießen ab Wolfratshausen noch ca. 2000 Häftlinge hinzu, die mit dem Bahntransport Dachau/Wolfratshausen antransportiert wurden.

Durchnässt von Regen, Schnee und zusätzlich geschwächt durch die bittere Kälte, versuchten die Häftlinge sich auf dem nassen Waldboden auszuruhen. Diese schlimmen Witterungsbedingungen kosteten Vielen das Leben.

Auch wurden in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 über 68 russische Häftlinge von den SS-Wachen hingerichtet. Der Grund war, dass diese den deutschen und jüdischen Häftlingen die Marschverpflegung (für 6 Mann je ein Leib Brot und eine Dose Konserven) geraubt hatten.

Gründe der zweitägigen Rast, die am Nachmittag des 30. April 1945 gegen 16.00 Uhr endete, waren jene gewaltsamen Aktionen der russischen Häftlinge und ein Konflikt innerhalb der SS und den Wehrmachtsoffizieren über die „Herrschaftshoheit“.


Dritter Streckenabschnitt

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Das vorgegebene Marschziel war das HJ-Lager „Hochland“ bei Königsdorf mit dem „erlogenen „Motivations-Versprechen“ des SS-Führers Ruppert, zweiter Lagerführer des KZ Dachau, an die ausgemergelten und erschöpften Häftlinge, „dort bis zu ihrer Befreiung [von den Amerikaner] bleiben zu können“.

Mit neuen Wachmannschaften aus Bad Tölz verließen die drei Hauptgruppen das Lager Achmühe/Bolzwang in Marschblöcken von je 1000 Häftlingen in folgender Reihenfolge:  zuerst die  Juden, gefolgt von den Reichsdeutschen und zum Schluss den Russen. Hinter den Marschierenden sprengte die Wehrmacht die Brücken und Wege, um so die immer näher rückende Front der Amerikaner aufzuhalten.

Verfrühte Sprengungen führten zur Abtrennung der 5000 Gefangenen des Russischen Marschblocks und einiger jüdischer Häftlinge, die noch am selben Abend im Dorf Beuerberg von den Amerikanern befreit wurden.

 

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Dritte Rast: Die zunehmende Wetterverschlechterung („seit 18.00 Uhr schneit es unaufhörlich“) und der zunehmende Kräfteverfall der deutschen und jüdischen Häftlinge erzwangen am 1. Mai 1945 um 2 Uhr morgens in der Schlucht „Wolfsöd“ – in der Nähe von Kellersdorf – die dritte Marschpause. 

Die Absicht der SS war hier alle Gefangenen zu töten. Einzig und allein der Einsatz des Hauptmannes Longin verhinderte diese Bluttat.

 


Vierter Streckenabschnitt

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 Um 4.30 Uhr schleppten sich die Häftlinge weiter über Fischbach, Einbach, durch Bad Tölz („Makaber hörte sich das Klappern der Holzpantoffeln auf der Tölzer Isarbrücke an!“ schilderte ein Häftling) und durch die Dörfer Greiling und Reichersbeuern.

 

 

 

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Die vierte Rast:  Etwa 3000 Häftlinge rasteten schließlich am 2. Mai 1945 in den Scheunen der Bauern (darunter der Zeitzeuge Abba Naor in Waakirchen). Die Befreiung durch die Amerikaner erfolgte schließlich am Nachmittag. 

 

 


Streckenverlauf als Video

In diesem Video wird der Streckenverlauf des Dachauer Todesmarsches (vom 26. April bis 2. Mai 1945) filmisch vorgestellt und musikalisch mit unserem Lied „Schritt um Schritt“ gesungen und begleitet.
Uns war es wichtig, den für die Häftlinge quälend langsam beschrittenen extrem langen Streckenverlauf (von ca. 88 km in 6 Tagen mit nur 4 Rastmöglichkeiten) dem Betrachter filmisch näher zu bringen. Dies bedingt das filmische Tempo.

Auffallend im Film ist die Schönheit der Bayerischen Landschaft, welche heute so anzutreffen ist und die ein durchschnittlicher Betrachter überhaupt nicht mit einem derart schrecklichen Ereignis in Verbindung bringen könnte. Darum stellen wir die Landschaft dar, so wie sie ist und verfälschen die Eindrücke nicht mit einem Schwarz-Weiß-Filter.

Gesang: Raphael Haas; Klavierbegleitung: Aaron Haas

1. Schritt um Schritt dem Tode entgegen ein Menschenstrom ins Ungewisse. Schritt um Schritt entgegen dem Ende. Wer wird sie betrauern, vermissen? Mama, ich will Dich wiedersehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht „wann!?“. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

2. So schwer sind die Beine, sie tragen nicht mehr den Rest der zerschundenen Körper. Am Wegesrand liegen zahlreich die Toten, die Opfer brutal kalter Mörder. Mein kleiner Bruder, will Dich wiedersehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

3. Hundegebelle, Geschrei, dann ein Schuss; und wieder ein Leben zu Ende. Ein Schneegestöber wird zum Leichentuch; fällt friedlich doch rasch auf die Fremde. Mein Schwesterlein, will Dich wiedersehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur frage nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon so lang.

4. Kalte Tage noch kältere Nächte beenden für viele ihr Leben. Eisiger Regen auf dem Todesmarsch. Werd´ ich diese Qual überleben? Ihr Lieben, will Euch wieder sehn. Nur dieser Wunsch hilft mir noch zu geh´n. Ich komm zurück; nur fragt nicht wann. Ich bin unterwegs und ich lauf schon viel zu lang.