Tod und doch lebendig



Du stehst auf hell grünem Grass in Birkenau,
ehemalig der Boden der Braunen,
die ihn tränkten mit warmen Blut.
Doch heute ist es nur Regenwasser.
Statt lautem Gebrüll und kreischenden Bremsen
umgibt dich ein lieblicher Vogelgesang.
Die Rampe – einst der Weg in die Einsamkeit.
Der Punkt an dem sie ihre Familien verloren,
überschreitest du ohne weitere Gedanken


Mit schweren Schritten näherst du dich dem Zaun,
der heute nur noch das Gebiet markiert.
Aber der Schein trügt!
Denn unüberwindbar ist der Draht,
der ihnen einst die Freiheit nahm
Eingesperrt und abgegrenzt vom Rest der Welt.
Zurück geblieben sind Steine
Steine – die dich zwingen hinzu sehen um
nicht zu fallen


Umgeben von dunkelbraunen Holzpalleten
und dem was einst ein Ofen war,
ist es der Hauch von nichts, der die Baracke füllt.
Hier, bist du selbst wie die Baracke
Leer – völlig emotionslos.
Hier, spürten sie den Schmerz,
der Wunden, des Flecktyphus und der brechenden Seele
Leere – spiegelte sich nur in den Blicken,
der grau untermalten Augenpaare wieder.


Du erkundest die Ruinen der Krematorien
Der Gang, in dem das kleine Mädchen
mit seiner Mutter auf den Tod wartete,
ist leicht erkennbar.
Vereinzelt stehst du hier mit deiner Gruppe,
Dort wo auch sie einst standen, jedoch umringt von Menschen,
deren kostbarstes Gut geraubt wurde
Ihre Würde – Ihr Leben.
Verfolgt und um drängt vom Tod wohin man auch sah.


Dich umgibt die Stille,
Doch der Hall ihrer qualvollen Schreie ist trotzdem hörbar,
und die Leichnam unter deinen Füßen spürbar.
Nur ihre Seelen kannst du nicht fühlen,
denn sie wurden erlöst, als sie durch den Schornstein
in das Grab der Lüfte flogen.


Wie du am Ende des Krematorium stehst,
dir die Denkmäler der Nationen ansiehst,
dich wendest und mit den Augen den Weg der
Rampe zum Turm entlang läufst,
Und versuchst das Unmögliche zu begreifen,
doch dein Verstand versteht nichts –
die barbarische Vernichtung, die Monster die all das aus
,,Überzeugung“ taten, die Ihre Spezies vernichteten
und die Zukunft ausrotteten.


Doch trotz all dieser finsteren und dich fast erschlagenden Gedanken,
hörst du das Flüstern der unschuldigen Seelen,
die wie Licht die Dunkelheit brechen.
Du hörst ihnen zu und weißt was ihre Bitte ist:
,,Schweige nicht! Berichte der Menschheit,
verbreite unsere Geschichten.“
Es ist deine Aufgabe die Menschen zu erinnern.
Denn nur wenn sie wissen, wiederholen sie nicht
Und plötzlich begreifst du


Nie wieder ist Jetzt !

von Vanessa Hollands

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.