Hintergründe

Im April 1945 war bereits klar, dass die Nationalsozialisten den Krieg verlieren würden. Nun galt es nur noch zu versuchen, die furchtbaren Verbrechen des Regimes zu vertuschen. Also erteilte Heinrich Himmler den Befehl, dass kein KZ-Häftling den Alliierten in die Hände fallen durfte. Am 19. April 1945 befanden sich die Briten in der Nähe von Hamburg und die SS begann das KZ Neuengamme zu räumen. 10.000 Häftlinge wurden entweder in Güterzügen oder zu Fuß nach Lübeck gebracht, einer Hafenstadt an der Ostsee. Neben den Häftlingen aus dem KZ Neuengamme kamen auch einige Überlebende aus dem KZ Fürstengrube, einem größeren Außenlager des KZ Auschwitz, im Frühling 1945 in Lübeck an. Alle Häftlinge wurden auf drei Schiffe, die „Athen“, die „Thielbek“ und die „Cap Arcona“, aufgeteilt, die in der Lübecker Bucht, in der Nähe der kleinen Hafenstadt Neustadt in Holstein, eine Stunde von Hamburg (Süden) und Dänemark (Norden) entfernt, vor Anker lagen. Auch wenn die Schiffe relativ groß waren, waren sie doch heillos überfüllt. Auf dem ehemaligen Luxusdampfer „Cap Arcona“ sollen zeitweise bis zu 7.500 Menschen gewesen sein, obwohl das Schiff nur für 1.315 Passagiere ausgelegt war. Die Menschen mussten viele Tage an Bord ausharren und zahlreiche Häftlinge starben wegen der katastrophalen Bedingungen an Bord.

Am 3. Mai 1945 erhalten die Piloten der Royal Air Force den Befehl, die Schiffe in der Lübecker Bucht zu versenken. Dass sich an Bord vor allem KZ-Häftlinge befinden, ist ihnen nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Nationalsozialisten mithilfe dieser Schiffe nach Norwegen absetzen wollen. Am frühen Nachmittag des 3. Mai 1945 starten die Briten ihren Luftangriff. In mehreren Angriffswellen versenken sie die „Cap Arcona“ und die „Thielbek“. Die „Athen“ bleibt nur unverschont, weil sie an dem Tag im Neustädter Hafen liegt. Die meisten der KZ-Häftlinge an Bord der Schiffe ertrinken oder verbrennen. Von den wenigen, die sich aus den Schiffen retten können, werden viele von der SS noch im Wasser oder am Strand erschossen.