Marktbefragung – Umgang in Neustadt heute

Ein Aspekt, der es uns erschwert, die Ausmaße des Holocausts im Generellen und des Untergangs der Cap Arcona im Spezifischen besser zu begreifen, beziehungsweise der sogar unsere Auffassung verfälscht, ist die Tatsache, dass wir die Geschichten häufig von einer Minderheit hören: den Überlebenden. Willkür, Zufall und Glück bestimmen ihre Schicksale, ihre Überlieferungen und somit unsere Erkenntnisse.

Gleiches kann in unserem Film auch gesehen werden. Nur die Minderheit der Bewohner Neustadts, nämlich die, die auch etwas zu sagen hatten, kamen zu Wort. Viele Menschen wussten deutlich weniger, nur „einige“ konnten „dann auch ganz gut“ antworten (Zitat: Lara, Film). Auffallend sind auch die Altersunterschiede, gerade ältere Menschen sind noch besser informiert.

Dennoch ist einer großen Mehrheit die Tragödie zumindest bekannt. Kein Wunder, schließlich wird mit allerlei Friedhöfen in der gesamten Lübecker Bucht auf das Unglück aufmerksam gemacht. Es gibt u.a. ein Denkmal am Hamburger Dammtor und ein Teil des Museums in Neustadt i.H., der ausschließlich dem Untergang der Cap Arcona gewidmet ist. So ist zumindest gewährleistet, dass Informationen vermittelt werden.

Information an sich bedeutet aber nicht, dass auch begriffen wird. Die Aufforderung zum Beispiel, aus Respekt vor den Toten nicht mit dem Fahrrad durch den Ehrenfriedhof in Neustadt zu fahren, wird nur selten ernst genommen. Ob das nun aber ein Beweis für die These ist, dass die „Lehre ist, dass keine Lehre gezogen wurde“ (Zitat: Film), sei dahin gestellt. Und sonst? Kann die These standhalten? Was denkst Du?