Norden Bootsfahrt – Umgang in Neustadt damals

„Wir sprachen mit einem Mann, der war [damals] drei Jahre alt. Trotzdem erinnerte er sich lebhaft an das Unglück“ – Projektteilnehmer, Film.

Es sollte keine Überraschung sein, dass die Bombardierung der Cap Arcona nicht spurlos an Neustadts Bevölkerung vorbeigegangen ist. Schon vor der Besatzung der Cap Arcona hat dessen Kapitän Heinrich Betram versucht, Widerstand zu leisten und das Schiff vor einer Übernahme durch die Nationalsozialisten zu retten. Schlussendlich gab er jedoch nach, als die SS ihn mit einem Erschießungsbefehl aufsuchte. Am Tag der Tat selbst gingen die Neustädter dann auch sehr unterschiedlich vor. Alle hatten Angst oder verfielen in Panik, als die Flieger über Neustadt schwirrten und ihre Bomben abwarfen. Schließlich war dies auch der erste unmittelbare Kontakt mit dem Krieg und der Ausmaß des Angriffes war nicht absehbar. Unverständnis kam auf, alle waren potenziell gefährdet. Als die Lage übersichtlicher wurde, waren einige wenige Bürger gewillt, zur Tat zu schreiten. Umso verzweifelter wurden sie, als sie realisierten, dass sie mehr oder weniger zum Zuschauen verdammt waren. Teils sahen sie, wie Häftlinge, die es doch ans Land schafften, dort noch erschossen wurden (vgl. Zitat, Film). Teils nahmen sie jedoch auch ihre Boote und fuhren hinaus, um Menschen, meist SS-Männer, zu retten. Teils nahmen sie aber auch Häftlinge bei sich auf, um ihnen eine Unterkunft zu geben.

In den folgenden Wochen und Monaten lagen die Boote stets in Sichtweite der Bevölkerung im Wasser. In der gesamten Lübecker Bucht und sogar darüber hinaus wurden immer wieder Leichen angespült, was zu Badeverboten für Kinder führte, die geschützt werden sollten. Dieser „Schutz“ geschah aber auch dadurch, dass ihnen Informationen vorenthalten wurden. Die Schule behandelte das Thema meist nicht und wenn, dann oft nur einseitig. Verständlich, schließlich offenbart die Tragödie zumindest Fragen, dessen Antworten nicht in schwarz und weiß, Nazis und Alliierte, Böse und Gut passen. Das ist auch ein Anlass dafür, dass in den folgenden Jahren und bis heute Ärger darüber geäußert wird, dass die Tragödie nicht vollständig aufgeklärt wurde.