15.30 Uhr, Samstag – Der alte Mann und seine Liebe

Ich habe noch einmal über den alten Mann in „15.30 Uhr“ nachgedacht. Ich habe einen Versuch angestellt, ihn zu ändern. Für einen kurzen Moment hielt ich es für unglaubwürdig, dass ein Mann in solch einem grausamen Moment noch so viel Nächstenliebe aufbringen kann. Schließlich ist seine Frau gerade in seinen Armen gestorben und er wird wegen seiner Weltanschauung deportiert. Doch je mehr ich versucht habe, der Figur ihre Liebenswürdigkeit zu nehmen, umso mehr hat sie sich mir verschlossen. Ich kam an seine Substanz nicht heran.
Und ich meine jetzt auch zu wissen, warum: Ich möchte selbst glauben, dass es irgendwo in dieser Ansammlung an Unmenschlichkeit noch Menschlichkeit gegeben hat. Der alte Mann ist ein Sinnbild für den liebenden Menschen.