8:09, Samstag – Provokation?

Ist es Provokation, ein menschliches Bild der Täter zu zeichnen?
Ist es Provokation, fiktive Schicksale zu benutzen, um Emotionen zu wecken und zum Nachdenken anzuregen?
Ist es Provokation, Mahnmale für diese Geschichten als Bilder einzusetzen, damit erworbenes Geschichtswissen mit den fiktiven Schicksalen verwoben werden kann?
Ist es Provkation, Menschen eine Stimme zu geben, die nie gehört wurden?

Vielleicht.
Aber wenn es auch nur einen Menschen bewegt und zum Umdenken veranlasst, ist es das wert.

10:00 Uh,r Sonntag -Kämpfe um jedes Wort

Um beim Leser Bilder zu erzeugen,die nachhaltig im Gedächtnis bleiben, reicht es nicht, einfach drauf los zu schreiben.

Man muss kämpfen:

  • um jedes Wort kämpfen.
  • Um jedes Satzzeichen.
  • Um jeden Absatz.

Und jetzt ist es Zeit, den Kampf aufzunehmen, überflüssige Worte zu streichen, die Sätze leserfreundich zu gestalten und den Inhalt nachdrücklich in eine Form zu setzen, die emotional berührt und zum Nachdenken anregt.

10.05 Uhr, Mittwoch – Mahnmale

Jedes Mahnmal erzählt Geschichten. Wir kennen einige Namen, manchmal Angehörige oder Zeitzeugen. Aber wer erzählt die Geschichten all der unbekannten Leben? Wer erinnert an die Menschen, die keinen Namen tragen? Wir müssen unsere Vorstellungskraft nutzen, um all diese Geschichte, die vielleicht passiert sind, aber nie erzählt wurden, für unsere Erinnerung und für unsere Zuunft zu nutzen.

20:36 Donnerstag- Erinnerungskultur in Literatur und Kunst

Mein heutiger Besuch auf der Buchmesse 2018 hat mir offenbart, wie gegenwärtig das Thema Holocaust, Verbrechen der NS Zeit und Erinnerung heute zum Glück immer noch sind. Ich würde gerne sagen, die Erinnerungskultur erlebe eine Renaissance, allerdings kann ich aus meiner Warte sagen, dass sie mich seit der Schulzeit begleitet; Und das zurecht. Ich habe seitdem nicht erlebt, dass das Thema in den Medien oder in der Kunst untergegangen ist. Und das ist auch gut so. Mir wurde heute mal wieder verdeutlicht, dass Projekte wie der Denkt@g insofern unfassbar richtungsweisend sind.

15.30 Uhr, Samstag – Der alte Mann und seine Liebe

Ich habe noch einmal über den alten Mann in „15.30 Uhr“ nachgedacht. Ich habe einen Versuch angestellt, ihn zu ändern. Für einen kurzen Moment hielt ich es für unglaubwürdig, dass ein Mann in solch einem grausamen Moment noch so viel Nächstenliebe aufbringen kann. Schließlich ist seine Frau gerade in seinen Armen gestorben und er wird wegen seiner Weltanschauung deportiert. Doch je mehr ich versucht habe, der Figur ihre Liebenswürdigkeit zu nehmen, umso mehr hat sie sich mir verschlossen. Ich kam an seine Substanz nicht heran.
Und ich meine jetzt auch zu wissen, warum: Ich möchte selbst glauben, dass es irgendwo in dieser Ansammlung an Unmenschlichkeit noch Menschlichkeit gegeben hat. Der alte Mann ist ein Sinnbild für den liebenden Menschen.

7.19 Uhr, Donnerstag – Kinder

Als ich die Gechichte vom Offizier und seinem Sohn schrieb, erinnerte ich mich an meine eigene Kindheit. Ich wollte ein Held sein. Superman oder ein Spion wären mir am liebsten gewesen. Ich bastelte mir einen Spion-Ausweis. Ich wollte die Welt vor dem Bösen retten. Und dazu brauchte ich keine Uniform und keine Gleichgesinnten. Ein paar Sendungen im Fernsehen und ein paar Comics reichten aus, um mich zu verwandeln. Ich sah Ungerechtigkeiten und andere Situationen, in denen ich ein Held hätte sein können, wenn ich älter als zehn Jahre gewesen wäre. Aber da mich niemand bei dem Bestreben, ein Held oder ein Spion zu werden, unterstützte, wurde dieser Wunsch irgendwann Vergangenheit.

Und es fällt mir leicht, mir vorzustellen, was der Sohn des Offiziers fühlte. Unterstützt von einer Armee an anderen Kindern, die alle in dem Glauben, eben diese Helden zu werden, eine einheitliche Uniform trugen und sich so besonders fühlten. Stark und überlegen. Helden einer Nation.
Woher sollten sie wissen, dass der Weg falsch war? Woher sollten sie wissen, dass Naionalsozialisten keine Helden sind? Wer sollte es ihnen sagen, wenn selbst die Eltern so dachten oder ihre eigene Wertvorstellung aus Angst vor dem Regime für sich behielten?

Deshalb soll der Junge seine eigene Geschichte bekommen. Und vielleicht erkennt sich der eine oer andere Leser auf die eine oder andere Weise wieder. Und vielleicht hilft es, einen anderen Weg zu wählen.

6:22, Mittwoch – In der Stille der Nacht

In der Gedenkstätte Birkenau kann man in Originaldokumenten von Häftlingen lesen. Sie schreiben von den Experimenten, die an Ihnen durchgeführt werden, von Schlägen und vom Tod.

Aber in vielen Zeilen schwingt Hoffnung, Vertrauen auf Gerechtigkeit und in der Stille der Nacht werden Gedanken an die Liebsten irgendwo da draußen ein Anker des Lebens. Ich stelle mir die Baracken vor, die heute nicht mehr zu sehen sind und die Menschen darin und frage mich, ob es hier damals wirklich jemals still war.

Und ich stelle mir die Täter vor, die ihre Nächte hier verbringen mussten. Welche Gedanken hatten sie? Oder waren sie gedankenlos? Furchtsam? Wütend? Hasserfüllt? Oder voll Mitleid? Was bewegt Täter dazu, Täter zu werden? Gehorsam? Überzeugung? Diensteifrigkeit? Angst vor Konsequenzen?

War es die gegenseitige Kontrolle, die sie dazu brachten, keine Menschlichkeit zu zeigen? Oder projizierten sie ihre eigene Situation, in der sie sich sicher nicht gerne befanden, auf die Häftlinge? Fragen über Fragen.

Keine Opfer ohne Täter. Ich frage mich, an welcher Stelle der Geschichtsbücher diese Menschlichkeit verloren gegangen ist. Ist es die gleiche Stelle, an der Menschen heute zu Täter werden und zum Beispiel ausländische Mitbürger bedrohen oder töten? Wann ist dieser Täter, der einst liebvoll auf seine Eltern vertraute, gedanklich abgebogen? Warum? Und wohin? Was bezweckt er damit? Und an welcher Stelle hätte man es noch verhindern können? Und wie? Im Kindergarten? In der Schule? Durch Aufklärung? Durch Liebe? An welcher Stelle überwindet der Mensch die Schwelle zur Unmenschlichkeit und ist bereit, andere Leben zu zerstören und zu beenden?

Wer forscht nach den Ursachen, die vielleicht helfen könnten unser multikulturelles Zusammenleben zu verbessern?

18.30 Uhr, Dienstag – Mutterliebe

Mütter und Kinder sind anders verbunden als Väter und Kinder. Die Liebe der Mütter ist unendlich.

Doch wie ist das mit dem Schmerz? Wie gehen Väter damit um? Mit dem Schmerz, das eigene Kind zu verlieren. Es aus den Händen gerissen zu bekommen und es schutzlos in fremden Händen zu Wissen?

Oder auch mit dem Schmerz, das eigene Kind einen grausamen Weg gehen zu sehen. Aus freiem Willen, weil ein Regime das von ihm erwartet, gekleidet in einer einheitlichen Uniform hinter der man sich verstecken kann. Wie fühlt sich ein Vater, der dabei hilflos zusehen muss?