Denkmäler

Eine öffentlichkeitswirksame und oftmals sehr politisch-emotionale Form der Erinnerungskultur besteht aus der Errichtung und der Pflege von Denkmälern, um künftigen Generationen den Zugang zu geschichtsträchtigen Ereignissen, Personen oder ähnlichem zu erleichtern. Denkmäler können darüber hinaus noch weitere Funktionen übernehmen. Im Falle des NS-Regimes liegt oftmals ein besonderer Fokus darauf, den Opfern der Bewegung und deren Nachkommen eine Möglichkeit zu geben, diese Situation zu verarbeiten, deren Leistungen für die Gesellschaft in Ehren zu halten und zukünftigen Generationen als Mahnmal zu dienen.

Neben der Auflistung bestehender Denkmäler soll im Folgenden auf einige in ihrer Weise auffallenden Gedenkstätten detaillierter eingegangen werden.


 

Zuerst soll auf eine Gedenkstätte eingegangen werden, die nicht nur positiv bewertet wird. Das Denkmal am Platz der Opfer des Nationalsozialismus wird seit ihrer Namensgebung zum Teil stark von verschiedenen Seiten kritisiert. Es zeigt eine aus einem bronzenen Kerker stets leuchtende Flamme mit schwarzen beschrifteten Steinen und mittlerweile einer bronzenen Schrifttafel, auf der einzelne Opfergruppen aufgelistet wurden. Dazu weist ein am Boden befindlicher Bronzeband auf das NS-Dokuzentrum und den Standort der früheren Gestapo-Zentrale hin.

Zwar liegt der Platz in der Münchner Innenstadt, jedoch direkt an der vielbefahrenen Brienner Straße, unauffällig für Fußgänger, an einem Parkplatz angrenzend und auch in den benachbarten Straßennamen schwer zu verorten. Für manche erwies sich die Symbolik sich nicht als würdig, andere sprachen von Zumutung.

Die Stadt München selbst hat den Platz vor einigen Jahren zum jetzigen Stand hin umformen lassen, mit dem Ziel, dem Denkmal mehr Bedeutung zu verleihen. Andererseits zeigt die Stadt sich seit jeher restriktiv für weitere Denkmalvorhaben. Beispielhaft sei der Umstand kurz nach der Einweihung erwähnt, dass die Ewige Flamme zwecks Kosteneinsparung nur zu besonderen Anlässen brennen sollte. (SZ2)

 

 

 


 

Das zweite näher betrachtete Denkmal erweist sich gleichzeitig als Ort des Austauschs und dient als Museum. Die Rede ist vom NS-Dokuzentrum am Königsplatz. Auf dem Standort, wo früher das „Braune Haus“ der NSDAP stand, informiert das Zentrum die Besucher über den Nationalsozialismus in München. Der Errichtung an sich ging ebenfalls ein langer bürokratischer Kampf einher. Seit wenigen Jahren können sich die Bewohner Münchens ein detailliertes Bild von den damaligen Umständen in ihrer Stadt machen. Neben den Ausstellungen bietet das Dokuzentrum auch eine interaktive Smartphone -App für eine historische Stadterkundung und diverse Veranstaltungen zur Auseinandersetzung mit der Bewegung an. (NS-Dokuzentrum)

 

 


 

Das dritte näher beleuchtete Denkmal wird erst im Verlauf des Jahres errichtet werden. Am Königsplatz soll ein Mahnmal zur Bücherverbrennung am damaligen mutmaßlichen Ort errichtet werden. Es soll eine begehbare Scheibe mit den Buchtiteln geächteter AutorInnen ohne Interpunktion darstellen. Dadurch sollen verschiedenste Assoziationen entstehen und die Leistungen der AutorInnen gewürdigt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Denkmälern fokussiert sich dieser Annäherungsversuch auf die Errungenschaften der darzustellenden Personengruppen. Anstatt also die geächteten und verfolgten AutorInnen auf den Status als Opfer des NS zu reduzieren, würdigt dieser Entwurf ihre Schaffenskraft. (NS-Dokuzentrum2)

 

 


Studierende der LMU laufen tagtäglich durch eine Gedenkstätte, die sich an der Universität befindet. Mit dem Geschwister – Scholl – Platz wird an den Widerstand der Weißen Rose – um die Geschwister Scholl – gegen den Nationalsozialismus erinnert.

Im Boden vor dem Haupteingang wird noch heute auf ihr Wirken verwiesen,  in Stein sind dort die Flugblätter der Weißen Rose abgebildet sind. Darüber hinaus gibt es eine Ausstellung im Hauptgebäude der LMU, die ebenso zum Austausch einlädt. Generell ist die Weiße Rose oftmals Gegenstand von Erinnerungskultur. Ein Grund hierfür liegt vermutlich in ihrer Ausnahmestellung als eine der wenigen Akte, die in organisierter Form aktiven Widerstand gegen die Bewegung leistete und dafür mit ihrem Leben bezahlen musste.

Mit dem Anspruch als Universität Forschung zu betreiben und die Gesellschaft mit ihren Entdeckungen voranzubringen muss sich die Universität als Institut bewusst bleiben, dass sie auch als Teil der Gesellschaft agiert und dementsprechend an ihr partizipiert.

Hierbei kann sie als Vorreiter Impulse und Denkanstöße geben. Aus diesem Grund erscheint es passend, dass man sich diesem Teil der Geschichte auf verschiedene Arten und Gedenkstätten annähert.  

 

 

 

Wie aktuell die Thematik der Interaktion der Universität mit der Gesellschaft und der Auseinandersetzung mit der Geschichte mit Anwendungsbezug auf die heutige politische Situation ist, zeigt sich bei einem Blick auf den Inhalt, den die Studierenden in ihren Flugblättern abdrucken ließen.

Der Grundgedanke einer menschenfreundlichen Politik auf Basis gemeinsamer Wertvorstellungen wird an einem Denkmal am Hofgarten (Odeonsplatz) besonders betont:

„Wir wollen hier nicht urteilen über die verschiedenen möglichen Staatsformen, nur eines will eindeutig und klar hervorgehoben werden: jeder Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit des Einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert. Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten. Das sind die Grundlagen des neuen Europa“ (Aus den Flugblättern der Widerstandsbewegung „Die Weisse Rose“ 1943)

 


Ein verpflichtender Besuch bei der ernsthaften Auseinandersetzung mit der NS-Bewegung in München und stellvertretend für die NS-Herrschaft im 3.Reich stellt das Konzentrationslager in Dachau bei München dar.

Viele der damals ansässigen Bauten sind heute noch erhalten, man erhält einen gnadenlos harten Einblick in die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Wesentliche Eckpfeiler der NS-Herrschaft weisen eine Verbindung zu den Konzentrationslagern auf. Eine detaillierte Behandlung dessen sollte am besten vor Ort in Form einer Führung und optional begleitender Recherche erfolgen.

Allein der Spruch „Arbeit macht frei“ spiegelt die Ideologie der Bewegung mit ihrem Menschenbild gegenüber jüdischen Mitbürgern und ihrer Selbstwahrnehmung als Volks-, Blut- und Schicksalsgemeinschaft an. (Johannes Werner)


Ergänzend sind hier noch weitere Denkmäler aufgeführt, die einen ganzheitlichen Eindruck über die Landschaft der Erinnerungskultur in München geben soll. (Maximilian Sterz)

  • Zwei Ehrenhaine auf dem Friedhof am Perlacher Forst, München (Urnen der in München verbrannten Leichname der KZ-Opfer)
  • KZ-Ehrenfriedhof auf dem Dachauer Leitenberg
  • Waldfriedhof der Stadt Dachau, Ehrengräber (nach der Befreiung angelegt)
  • Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Schießplatzes in Hebertshausen, wo tausende von Kriegsgefangenen von der SS ermordet wurden.
  • Katholische „Todesangst-Christi-Kapelle“ (1960)
  • Karmelkloster (1964)
  • In die KZ-Gedenkstätte Dachau integriert:
    • Evangelische Versöhnungskirche (1965)
    • Israelische Gedenkstätte (1965),
    • Italienische Kapelle „Regina Pacis (1960)
    • Russisch-Orthodoxe Kapelle (1995)