Innenstadt

Neben den Wirtshäusern, in denen politischer Austausch und Anwerbung von neuen Parteimitgliedern betrieben wurde, gab es einige besondere Orte im Münchner Stadtbild, die prägende Wirkung für die Entwicklung des Nationalsozialismus hatten.

Nach der Gründung der DAP im Jahr 1919 im Sterneckerbräu und der Gründung der Nachfolgeorganisation NSDAP im Hofbräukeller witterten die Nationalsozialisten die Chance, in einem Putsch die Macht an sich zu reißen. Im Laufe der Handlungen am 9.11.1923 kam es letztlich zu einem Schusswechsel zwischen der Landespolizei und den Putschisten, der mehrere Opfer forderte.(Bayr. Verwaltung)

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Ort des Schusswechsels am Tage des Putschversuchs 1923

Dies ereignete sich an der Feldherrnhalle am Odeonsplatz, einem Ort der dem bayerischen Heer gewidmet wurde.  Die unmittelbar nach dem vorläufigen Parteiverbot „gegründete „Völkische Block“ [erhielt dadurch] bei der Landtagswahl 1924 17%“(Walter Ziegler). Später entwickelte sich dieser Ort zu einem Kultort für die NSDAP. Die Gefallenen wurden zu Märtyrern stilisiert und die Wurzeln der Ideologie öffentlichkeitswirksam für die Allgemeinheit in Form von Denkmälern zementiert. Eines davon wurde in der Feldherrnhalle errichtet, das bis 1945 Bestand hatte, „eine mit dem Blut von gefallenen Putschisten getränkte Fahne wurde […] zur Hauptreliquie der Partei“ (Walter Ziegler).

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Ehrentempel mit den Särgen der NS-Toten

Zudem wurden nach der Machtergreifung immer wieder Feiern zu Gedenken der in ihren Augen gestorbenen Helden organisiert und „Ehrentempel mit den Särgen der NS-Toten“ aufgestellt. Diese wurden von einer „Ewigen Wache“ Tag und Nacht beschützt. Auch jene wurden nach Kriegsende gesprengt. (Bayr. Verwaltung)(Landeshauptstadt)

Heute findet man noch Überreste eines von mehreren Ehrentempeln am Königsplatz, überwuchert von Gestrüpp und Sträuchern, ohne sichtbaren Hinweis darauf, welchen Zweck diese Ruine früher erfüllte. Ersichtlich ließ man hier getreu dem Motto Gras über die Vergangenheit wachsen und heute steht dieser Sockel unter Denkmalschutz. (Landeshauptstadt)

 


Dieser Ehrentempel stand gegenüber dem „Braunen Haus“, der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP. (Böse Bauten)

Die zentrale Lage des Gebäudes und die Selbsteinschätzung von Hitler als “ Kunstmäzen in der Nachfolge Ludwigs I“ (Ulrike Grammbitter) erwiesen sich als wesentliche Kaufempfehlungen für jenes Gebäude, das den Vorstellungen der Partei für ihre Bewegung entsprach. Obwohl es später nur noch repräsentative Zwecke erfüllte, zeugte es von den Bestrebungen der Bewegung, bis es kurz vor Kriegsende zerstört wurde. Dies zeigt sich z.B. am damaligen Haupteingang, „dessen Bronzeportal mit Hakenkreuzornamenten geschmückt war [und auf dem] […] die Parteiparole „Deutschland erwache“ [stand]“  (Ulrike Grammbitter).

Wesentliche Aufgabe, die das Gebäude vor der Auslagerung der Administration erfüllte, war neben der Bereitstellung von Organisations- und Verwaltungsräumen auch Kulträume für die NS-Bewegung. In den Räumlichkeiten waren beispielsweise die Namen der Gefallenen des Putschversuchs aufgelistet (Ulrike Grammbitter). Nach der Zerstörung des Gebäudes blieb es lange Zeit unbebaut, bis vor einigen Jahren, als dort letztlich der Bau des NS-Dokumentationszentrum beschlossen wurde. Hierdurch sollte wohl dem Vorwurf der Kritiker entgegengewirkt werden, die anmerkten, dass man kein Interesse an der Erinnerungskultur in München hätte. Man würde sie wohl auch deshalb als „Hauptstadt der Verdrängung“ bezeichnet haben (SZ, 17.11.2001).


Führerbau Königsplatz – Ort des Vertragsabschlusses zum Münchner Abkommen

Direkt neben dem damaligen Ehrentempel und dem „Braunen Haus“  war der Führerbau stationiert. Damals ohne Baugenehmigung errichtet, erinnert es heute an die Antike. Es wurde großen Wert auf Symmetrie (z.B. zwei Eingänge, obwohl nur einer notwendig war) und Schlichtheit gelegt. Dahingehend wird es dem „reduzierten Klassizismus“ zugeordnet. Es wirkte wie ein Bau, das dem Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten gelegen kam. (Führerbau, BR)

Bekannt wurde es als Ort des Münchner Abkommens, als das Sudetenland ohne Zustimmung der Tschechoslowakei dem 3. Reich zugesprochen wurde. Dies geschah zu einer Zeit, als man meinte Hitler durch eine Appeasementpolitik besänftigen zu können. (Landeshauptstadt)

Heute dient es noch als Sitz der Musikhochschule.

 


Königsplatz – Ort der Bücherverbrennung in München

Darüber hinaus zeichnet sich der Königsplatz als Schaubild eines bedeutenden Ereignisses aus, das die Gleichschaltung der Medien, die Unterstützung von Menschen mit unsicherer Perspektive und die Haltung gegenüber politischen und ideellen Gegnern darlegte: die Bücherverbrennung 1933.

Mit der Zusicherung der Hilfe von den örtlichen Studentengruppierungen erfolgte am Münchner Königsplatz die öffentlichkeitswirksame Zerstörung von Literatur von Autoren, die nicht reichskonform schrieben, handelten oder lebten. (Maximilan Sterz)(Burkhard Asmuss)(TUM)

Mit dieser Aktion sollte einerseits die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Mitbürger symbolisch beendet werden. Andererseits war angedacht, den völkischen Geist und die Gemeinsamkeiten der Volksgemeinschaft zu betonen. Die rigoros geplanten Verbrennungen in Universitätsstädten des ganzen Landes ließ damals erahnen, zu was die organisierte Bewegung fähig sein konnte. (Maximilan Sterz)(Burkhard Asmuss)(TUM)

 


Haus der Kunst – Hitlers Verwirklichung seiner propagandistischen Vorstellungen

Ein Gebäude, das noch heute im selben Atemzug mit Adolf Hitler genannt wird, ist das Haus der deutschen Kunst. Als Architekt für den Bau, das den „Grundstein zur Erneuerung des deutschen Kunstlebens“ (HausderKunst) setzen sollte, wurde des Führers handverlesener Paul Ludwig Troost beauftragt, der unter anderem zuvor bereits den Führerbau der NSDAP geformt hatte. Es verlieh dem Reich bei Fertigstellung das Bild einer „friedliche[n] Kulturnation“ (HausderKunst). Nicht zuletzt deswegen wurde die Stadt München daraufhin mit dem Ehrentitel „Hauptstadt der Deutschen Kunst“ (HausderKunst) versehen.  (HausderKunst)

Jährlich wurden dort große Veranstaltungen organisiert und der Führer legte besonderen Wert auf die Auswahl der Kunstgegenstände, die er – als jemand, dem das Kunststudium in Wien verweigert wurde – nach seinem Geschmack zu Hunderten kaufen ließ. Die Werke geächteter Künstler wurden dagegen in speziellen Ausstellungen bloßgestellt, „verkauft oder sogar verbrannt“ (HausderKunst). Nach Kriegsende versuchten die Verantwortlichen die Verbindung zum NS dadurch zu trennen, indem man nun demonstrativ Werke vormals geächteter und verfolgter Künstler ausstellte. Immer wieder wurde über den Verbleib des Gebäudes diskutiert, vielerorts forderte man den Abriss des Gebäudes. Die zeitweise bewusst erfolgte Verdeckung von nationalsozialistischen Symbolen wurde in diesem Jahrtausend beim Projekt des „Kritischen Rückbaus“ (HausderKunst) rückgängig gemacht, um den Besuchern eine kritische Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Intention und Atmosphäre des Gebäudes zu ermöglichen. Das zeigt wie allgegenwärtig sich die Auseinandersetzung der Architektur mit ihrer Vergangenheit darstellt. (HausderKunst)


Das Wittelsbacher Palais am Odeonsplatz wurde zur Zentrale der „Geheimen Staatspolizei“, kurz Gestapo, umfunktioniert. Dort setzte sich das Regime erst mit seinen politischen Gegnern auseinander. Beispielsweise wurde der Anschlagsversuch von Georg Elser an diesem Ort der NS-Justiz vorgeführt. Später erfolgte in der Zentrale die Ausstellung von Deportationsanträgen.  (Landeshauptstadt)


Ebenfalls am Odeonsplatz residierte die Unterorganisation „Kraft durch Freude“ der „Deutschen Arbeitsfront“, die die Bevölkerung durch günstige Reiseangebote zu verführen versuchte. Während die für jeden Deutschen zugänglichen kulturellen Veranstaltungen großen Zuspruch erhielten, wurden  ungeliebte Teile des Volkes von der „Deutschen Arbeitsfront“ ausgeschlossen, verloren die Möglichkeit, ihren Beruf in vollem Umfang auszuüben. Diese Lücken wurden die NSDAP zu ihrem Gunsten neu besetzt. Besonders folgen-behaftet war die Umstrukturierung der Arztverbände, hin zu einem Zentrum rassischer Medizin und Forschung, Experimente an Menschen und Sitz des Euthanasieprogramms, lokalisiert in der Münchner Innenstadt. (Landeshauptstadt)


Neben den oben genannten Bauten gab es vom Königsplatz bis Karolinenplatz insgesamt 68 Gebäude , die den Nationalsozialisten gehörten. (Böse Bauten)

Dabei waren noch weitere umfangreiche Bauprojekte geplant. Beispielsweise sollte auf dem Gebiet der Filmhochschule direkt neben dem Führerbau eine Parteikanzlei, ein Grabmal für Hitler neben der Pinakothek der Moderne und eine Ost-West-Achse vom Odeonsplatz bis Karlsplatz errichtet werden, die das Stadtbild Münchens noch grundlegender verändert hätten. (Böse Bauten)(Landeshauptstadt)

Weitere strategisch wichtige Bauten wurden in diesem Zeitraum errichtet, mit dem Zweck, dem NS-Regime zu dienen. Dass die hier aufgeführte Beschreibung einen Bruchteil der umgesetzten und geplanten Bauten darstellt, zeigt welchen Stellenwert die Stadt München für die Bewegung innehatte und welcher Bedeutung sie ihr zuordneten. Die Parteizentrale in der Münchner Innenstadt mit wichtigen NS-Persönlichkeiten, wie Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess, Parteikanzleileiter Martin Bormann und viele mehr, erfüllte wesentliche propagandistische Repräsentation- und Verwaltungsaufgaben des 3. Reichs. Besonders der Königsplatz wurde Ort zahlreicher Massenveranstaltungen, dementsprechend auch zu einem Marschplatz umgebaut, der bis vor wenigen Jahrzehnten in dieser Form verblieb. (Landeshauptstadt)