Nazifizierung der Stadt ab der Machtergreifung

Nazifizierung Münchens ab 1933

Kurz vor der Machtergreifung im Jahre ’33 wurde bereits das erste, ständige Konzentrationslager in Dachau bei München eröffnet. Als diese rasch nach der erfolgten Übernahme durch die Nationalsozialisten von der SS übernommen wurde, begannen dort die ersten Morde. Unter Heinrich Himmler und seinen Gefolgsleuten sollte hieraus ein Vorbild für Konzentrationslager entstehen, an denen Andersdenkende, erklärte Feinde der Diktatur und Minderheiten unter dem euphemistischen Motto „Arbeit macht frei“ in menschenunwürdigen Lebensbedingungen arbeiteten, starben, systematisch gefoltert, erschossen, vergast und verbrannt wurden. (Paul Hoser)(Maximilian Sterz)(Landeshauptstadt)

Parallel wurde zu Ehren der Gefallenen des Putsches für die heraufbeschworene Volks- und spätere Schicksalsgemeinschaft Ehrentempel neben der Feldherrnhalle und des Braunen Hauses, wo heute das NS-Dokuzentrum steht, errichtet. (Paul Hoser)(ZDF)(Maximilian Sterz)

Nach den Reichstagswahlen, bei denen die NSDAP mit finanziellen Mitteln der Großindustriellen und unter der Mobilisierung von Nichtwählern die stärkste Fraktion bildete (Arnulf Scriba), begann die systematische, gesetzlich geregelte Ausgrenzung der Juden, die Inhaftierung der politischen Gegner auf breiter Basis und Gleichschaltung der Medien- und Presselandschaft. (ZDF)(Paul Hoser)(Maximilian Sterz)(Landeshauptstadt)

Als markantes Symbol der nationalsozialistischen Politik und der Rolle Münchens als Zentrum der Parteipropaganda gilt mit Sicherheit die Bücherverbrennung am Königsplatz im Jahr 1933. An dem Ort, der sich mit drei griechisch anmutenden Bauten schmückt, wurden mit Unterstützung der Studierenden Bücher geächteter Autoren, meist mit jüdisch-religiösem Hintergrund und/oder politische Gegner, öffentlichkeitswirksam verbrannt. (ZDF)(Paul Hoser)(Maximilian Sterz)(Landeshauptstadt)

Die Umstrukturierung der Stadt hin zu einem Ort, der den Vorstellungen Hitlers gerecht wurde, sollte eine tiefgehende Veränderung der Stadt in allen Bereichen mit sich ziehen. Angefangen von dem großflächigen Umbau der Stadt, besonders bezeichnend die komplette Umgestaltung des Odeonsplatzes bis zum Karlsplatz mit Parteigebäuden und einem gigantischen Hauptbahnhof, dessen Kuppel mehrere Hundert Meter Durchmesser haben sollte, über die „Arisierung“, begleitet durch gesetzliche Ausgrenzung der Juden mittels Berufsverbote und Enteignungen, bis hin zur Änderung des Stadtwappens, das nun Reichsadler und Hakenkreuz trug, und des Münchner Kindls, das nun die Farben des NS repräsentierte: die Ideologie sollte sich in den Menschen Münchens festsetzen. (ZDF) (Maximilan Sterz) (Andreas Heusler). Hierzu passt auch die Tatsache, dass trotz der politischen Bedeutung von Berlin München weiterhin „Sitz der Reichsleitung der NSDAP bleiben soll. Berlin wird für alle Zeiten Sitz der Reichsregierung bleiben. Von Berlin aus wird das Reich, von München aus wird die nationalsozialistische Bewegung geführt“ (Bauer, Geschichte, 176). Dies wurde durch den konsequenten Ausbau von Institutionen für die Partei verdeutlicht, die nationalsozialistische Verwaltung festigte sich in München. (Paul Hoser)

Zudem manifestierte sich die Rolle Münchens als öffentlichkeitswirksames Zentrum politischer Propaganda, wo zahlreiche Massenveranstaltungen durchgeführt wurden. Neben den jährlichen Gedenkveranstaltungen an die Gefallenen des Putsches wurde dem Volk mit groß angelegten Kulturveranstaltungen die arisch-völkische Vorstellung einer über mehrere Tausend Jahre zurückführenden gemeinsamen Vergangenheit angedreht, von der Minderheiten (wie z.B. Juden, Behinderte, Sinti und Roma) ausgeschlossen wurden. Die Rechtmäßigkeit der NS-Herrschaft sollte mit diesen Maßnahmen untermauert werden. (Landeshauptstadt)

Diese Bewegung führte das 3. Reich letztlich in den 2. WK und in die Shoa.