Rahmenbedingungen nach dem 1.WK

Der Aufstieg des NS war mit verschiedenen Entwicklungen nach dem Weltkrieg verbunden, die im folgenden näher erläutert werden.

  1.  Versailler Vertrag:  im Jahr 1919 markierte dieser das Ende des 1. Weltkriegs. Bei dieser Friedenskonferenz der Siegermächte wurde die alleinige Kriegsschuld Deutschlands („Kriegsschuldartikel“ 231), der Verlust von Territorien im Westen (Elsass – Lothringen, Eupen-Malmedy), im Norden (Nordschleswig), im Osten (Teile Preußens  an Polen, Hafenstadt Danzig) und aller Kolonien des Reichs festgeschrieben. Zudem wurde die Größe der Armee auf 100000 Mann im Zuge der Demilitalisierungsmaßnahmen beschränkt und mit dieser Legitimationsgrundlage umfangreiche Reparationszahlungen seitens der Siegermächte gefordert.
  2. Dolchstoßlegende: in Teilen der Bevölkerung wurde der Mythos beschworen, dass man den Krieg nicht an der Front, sondern am Verhandlungstisch verloren hätte.  Die alten Eliten rund um das Militär und konservativen Kräfte wiesen die Schuld für die Niederlage an die Sozialdemokraten und Juden.
  3. Republik ohne Republikaner:  die verschiedenen sozialen Schichten der neugegründeten Weimarer Republik konnten sich zu Teilen nur mühsam mit der neuen Verfassung und der Machtaufteilung mit der aufgewerteten Stellung des Bürgers identifizieren. Konservative Schichten, das Militär sowie die extremistischen linken und rechten Parteien bedrohten von Beginn an die Existenz der Republik.
  4. Inflation 1923: Massenarbeitslosigkeit und damit verbundene Armut öffnen Tür und Tor für radikale Parteien, die einfache Lösungen für die breiten Massen anbieten.
  5. Weltwirtschaftskrise 1929: Schwarzer Freitag an den Börsen von New York führt aufgrund der finanziellen Verpflichtungen und den nun schlagartig zurückgeforderten Krediten an amerikanische Banken wirkt als Katalysator für die linken und rechten extremen Parteien, die nun großen Zulauf erhalten. Die NSDAP knackt in den darauf folgenden Wahlen die 30% und wird stärkste Fraktion.
  6. Schwächen der Weimarer Verfassung: Die Stellung des starken Reichspräsidenten, der den Reichstag auflösen und den Reichskanzler einsetzen darf und gleichzeitig die Verantwortung über das Militär als Oberbefehlshaber hat, kann in den falschen Händen eine große Machtkonzentration bedeuten. Zusätzlich war in der Verfassung der Artikel 48, auch Notverordnung genannt, festgeschrieben. Dieser erlaubte dem Reichspräsidenten ohne Rücksicht auf den Reichstag Gesetze zu beschließen.  Im Falle der Weimarer Republik lag das Amt des Präsidenten bei Hindenburg, der als ranghoher Angehöriger des Militärs und als Vertreter der konservativen Schichten der gefallenen Monarchie nahestand. Damit war der oberste Stellvertreter der Republik ein Mann, der die Werte der Verfassung nicht lebte. (Johannes Werner)

Aus all den genannten Gründen konnte sich die NSDAP von einer kleinen Splitterpartei von den Bierkellern Münchens deutschlandweit Gehör verschaffen. Sie schaffte es der Bevölkerung durch die Feindbilder des Juden und anderer Minderheiten einen Schuldigen zu liefern und damit die rassistisch motivierte Politik zu legitimieren. Diese Entwicklung wird in den nächsten Abschnitten skizziert.

Beginnend wird die Gründung der Vorgängerpartei DAP beschrieben.