Chemnitz 2018

Der Anfang  eines politischen Dilemmas

Es ist mitten in der Nacht, Sirenen eines Krankenwagens schallen durch die Chemnitzer Innenstadt. Innerhalb des Krankenwagens versuchen Notärzte alles, um den schwerverletzten Daniel H. am Leben zu erhalten. Doch auch im Krankenhaus kann ihm nicht mehr geholfen werden. Daniel H. verstirbt noch in derselben Nacht. Während dieser Mann seine letzte Ruhe gefunden hat, braut sich in der Bundesrepubik ein rechtspopulistischer Sturm zusammen.

Doch wieso musste Daniel H. sterben?   Und warum wird dieser Tod innerhalb weniger Tage ganz Deutschland verändern?

Daniel H. wurde in der Nacht vom 25.8 auf den 26.8.2018 gegen 3 Uhr vermutlich von einem 22- jährigen Iraker und einem 23-jährigen Syrer erstochen. Der genaue Tathergang ist unklar, es soll sich um einen Streit  um eine EC-Karte oder eine Zigarettenschachtel gehandelt haben. Wenige Tage später stellte sich heraus, dass der Iraker seit 2016 nicht mehr in Deutschland sein dürfte, da sein Asylantrag aufgrund des Dublin-Abkommens von den Bulgarischen Behörden bearbeitet werden müsste.

Die politischen Folgen

Nur 24 Stunden später marschierten ungefähr 800 Menschen durch Chemnitz. Offiziell soll es eine Demonstration sein, jedoch erinnert dies mehr an einen Wutmarsch. Es werden Parolen wie „Ausländer raus“ oder „Wir töten euch“ gebrüllt. Vereinzelt kommt es sogar zu Verfolgungsjagden, auf offener Straße müssen Migranten um ihr Leben fürchten. Die Chemnitzer Polizei ist nicht von einer so hohen Gewaltbereitschaft ausgegangen, die knapp 60 Beamten, die den Demonstranten gegenüber stehen, sind mit der Lage überfordert. Die Demonstration wird angeführt von verschiedenen rechtsradikalen Gruppierungen und der AfD.

Doch dies war erst der Anfang, am Folgetag, dem 27.8.2018, kommt es zu einer erneuten Demonstration. Diesmal sind es schätzungsweise zwischen 8000-9000 Demonstranten. Der Hass, die Parolen und die Gewalt sind noch erheblich größer als am Vortag. Auch linksradikale Gruppen befinden sich auf dieser Demonstration. Die Chemnitzer Straßen sind von zwei politischen Extremen besetzt. Die Polizei hat dem Mob wieder kaum etwas entgegenzusetzen, weniger als 600 Beamte sind vor Ort. Die gesamte Demonstration nimmt zeitweise Züge eines Bürgerkrieges an.

Die folgenden Tage und Wochen sind geprägt durch dieses Ereignis, wie kann es auch sein, dass mehr als 70 Jahre nach dem Nationalsozialismus, Menschen auf die Straße gehen, den Hitlergruß zeigen und Ausländer raus brüllen? Hierbei handelt es sich schon längst nicht mehr um politische Meinungsverschiedenheiten, sondern eher um puren Hass gegenüber Menschen mit einem Migrationshintergrund.

Woher kommt dieser Hass und wie konnte er sich so ausbreiten ? Insbesondere in Ostdeutschland spricht das politische Bild eher gegen Asylbewerber und Migranten. Gerade seit der Flüchtlingskrise 2015 ist die Parteienlandschaft in ganz Deutschland stark durchwühlt.

 

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