Erinnerungskultur am Mariengymnasium Warendorf

Auch das Mariengymnasium beteiligt sich an der Gestaltung der Warendorfer Erinnerungskultur. So wirkten Schüler an der Stolpersteinverlegung am 8.12.2014 mit und übernahmen die Patenschaft für den Stolperstein von Ella Spiegel, die eine Schülerin des Mariengymnasiums war. Sie recherchierten die Geschichte von Ella Spiegel und ihrer Familie und gestalteten eine Gedenkfeier in der Aula der Schule am gleichen Abend mit. Die Aktualität des Themas Flucht wurde durch die Anti-Rassismus-AG der Schule aufgegriffen und dargestellt. Hier zeigt sich deutlich, wie eine lebendige zukunftsorientierte Erinnerungskultur damals mit heute verknüpft und die Schüler aufmerksam macht auf heutige gesellschaftliche Probleme.(vgl.:mariengymnasium.org/geschichte)

Am 9.11.2010 gedachte die Schulgemeinschaft in einer besonderen Form ihrer ehemaligen Schülerinnen. Die Idee zu einer Gedenktafel war im Jahr 2008 entstanden und von einer Arbeitsgruppe aus Schülern und Lehrern umgesetzt worden. Dabei beließ es der Arbeitskreis nicht bei einer Tafel, sondern erforschte die Lebensgeschichte der Schülerinnen und ihrer Familien und stellte diese während der Gedenkfeier vor (vgl.: Westfälische Nachrichten 10.11.2010).

Bei Zeitzeugengesprächen, die regelmäßig in der Schule stattfinden, werden die Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal realer Personen konfrontiert. Dies macht Geschichte greifbar und Schicksale treten aus der Namenlosigkeit heraus. Im letzten Jahr besuchte Liesel Binzer das Mariengymnasium zu einem Zeitzeugengespräch. Sie ist eine ehemalige Schülerin der Schule und verband dadurch ihr Schicksal mit der Lebenswirklichkeit der Schüler.

Weiter wird am Mariengymnasium in der Q1 ein Projektkurs angeboten mit dem Thema: „Nie wieder Auschwitz- Erinnern gegen das Vergessen“. Innerhalb dieses Kurses, der sich über ein Schuljahr erstreckt, besuchen die Teilnehmer das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und historische Stätten des Judentums in der polnischen Stadt Krakau. Weiterhin beinhaltet der Kurs den Besuch der Villa ten Hompel in Münster, die sich der Erinnerungsarbeit in besonderem Maße an einem historischen Ort widmet. Die Teilnehmer lernen innerhalb des Kurses literarische Erinnerungskultur mit dem Buch „Die vollständige Maus“ von Art Spiegelman und mediale Erinnerungskultur mit der Fernsehserie „Unsere Mütter, unsere Väter“ kennen. Einen großen Raum nimmt in dem Kurs die eigenständige Erarbeitung eines selbst gewählten Themas zum Judentum ein. In diesem Rahmen entstand auch meine Projektarbeit.

Die Studienfahrt im Rahmen des Projektkurses wird begleitet und gefördert vom Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf. Am 27.1.2017 unterzeichnete die Schulleiterin des Gymnasiums Uta Schmitz-Molkewehrum zusammen mit dem Museumsdirektor Dr. Lothar Hyss einen Kooperationsvertrag. Verschiedene Aktivitäten und Ausstellungsbesuche sind geplant. Und nicht zuletzt entspringt dieser Projektkurs der Kooperation, der in dieser Form das erste Mal stattfindet.

Seit Dezember 2014 befindet sich zudem das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf, das mit seiner Erforschung und Darstellung der Geschichte der Region Westpreußen, das heute zu Polen gehört, die kulturelle Landschaft in Warendorf bereichert. Das Museum ist im Bereich der Erinnerungskultur ein wertvoller Partner der Schulen, allerdings auf überregionaler Ebene.

Viele weitere Aktivitäten tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler zu toleranten, weltoffenen Menschen erzogen werden. Austauschprogramme mit verschiedenen Ländern, Teilnahme am Erasmus+-Programm, die Anti-Rassismus-AG und auch das Anti-Mobbing-Training leisten ihren Beitrag dazu, dass Diskriminierung und Intoleranz als Unrecht angesehen werden.