Gedenkstele Freckenhorster Straße

Zwanzig Jahre nach der Enthüllung des Gedenksteines auf dem Neuen Jüdischen Friedhof wird am 12. August 1990 eine Gedenkstele auf der Freckenhorster Straße eingeweiht (vgl.: Ester 1999, S. 194ff). Mitten in der Fußgängerzone, also nicht wie der Gedenkstein 1970 außerhalb des Stadtzentrums, wird dieses Mahnmal aufgestellt. Das Erinnern rückt also ins Zentrum vor, in eine belebte Warendorfer Fußgängerzone. Dieser ungefähr zwei Meter hohe Obelisk aus Epprechtsteiner Granit wurde von der Firma Grabmale und Bildhauerei Budde nach einem Entwurf des Warendorfer Künstlers Klaus Ring gefertigt. Die Initiative zu diesem Stein ging nicht von offizieller Seite aus, sondern von Bürgern der Stadt (vgl.: Budde 2006, S. 20f). Die Übergabe an die Öffentlichkeit erfolgte durch den damaligen Bürgermeister Dr. Günther Drescher und den Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde Münster, Heinz Jaeckel. Auch Paul Spiegel hielt eine Rede an diesem Tag (vgl.: Ester 1999, S. 196).

Der Obelisk trägt auf allen vier Seiten oben als Symbol den Davidstern.

Auf der Seite stadteinwärts trägt der polierte Stein die Inschrift:

„Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Warendorf, deren Synagoge an der Freckenhorster Str. 7 am 9. November 1938 verwüstet wurde“

und stadtauswärts

„Die jüdischen Bürger von Warendorf wurden zwischen 1933 und 1941 vertrieben, verschleppt oder ermordet.“

Der Text macht die Entwicklung der Erinnerungskultur im Vergleich zu 1970 ziemlich deutlich. Hier ist niemand „umgekommen“, hier sind Menschen ermordet worden, sie sind Opfer von Gewalt und dies kommt deutlich zum Ausdruck. Hier fehlt aber wieder der Hinweis auf die Täter. Man benennt die Opfer, aber nicht die Täter. Der Stein steht vor dem Gebäude, in dessen Hinterhaus sich die Synagoge befunden hat.