Stolpersteine

Ein weiterer Baustein der Warendorfer Erinnerungskultur ist die Stolperstein-Aktion des Künstlers Gunter Demnig. Mit den Messingplatten, die er 1993 entworfen hat, möchte der Künstler an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Die Steine werden in den Bürgersteig eingearbeitet und zwar da, wo die Menschen ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten.   1996 erfolgte die erste Verlegung in Berlin-Kreuzberg und seitdem gibt es diese Messingquadrate europaweit in 1099 Orten in 21 Ländern. Eine Patenschaft für einen solchen Stein kostet 120 Euro für Stein und Verlegung. Die Website www.stolpersteine.eu. bietet eine detaillierte Anleitung für die Verlegung.

Zur Verlegung eines Stolpersteines gehört es auch, das Schicksal der Personen umfassend zu recherchieren. Hier liegt auch schon ein großer Gewinn der Aktion, ca. 61.000 Mal hat man sich europaweit also auch mit dem Schicksal der betreffenden Personen auseinandergesetzt. Ein weiterer Nutzen ist natürlich, dass die Steine fast zufällig im Alltag auftauchen, wenn man über die Wege läuft. Das macht nachdenklich und erinnert ständig. Aber es gibt auch keine Aktion ohne Kritik. Der wohl häufigste Kritikpunkt kommt von jüdischen Bürgern selbst, die ihre Opfer ein zweites Mal „mit Füßen getreten“ und erniedrigt sehen. Sie finden es unwürdig und befürchten, dass die Steine für antisemitische Aktionen missbraucht werden könnten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Projekt sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt hat, der Preis der Steine stieg stetig an, wobei der Künstler das Monopol an seiner Idee hält (vgl.: Katja Iken 2017).

Bei aller Kritik, die sich auch auf die Art der Beschriftung bezieht, bleibt es aber bei der Zahl von 61.000 Steinen, die auch für die Erforschung der Schicksale der Menschen stehen. Sie machen den Menschen bewusst, dass eben auch „vor der eigenen Haustür“ Opfer gelebt haben.

In Warendorf wurden die ersten Stolpersteine am 14.10.2013 verlegt, es folgte eine Verlegung am 8.12.2014 und am 15.12.2016. Die Patenschaften wurden sowohl von Personengruppen, darunter auch Schüler, als auch von Einzelpersonen übernommen. Eingebettet wurde die Verlegung immer in Aktionen, die über das Schicksal  der Opfer informierten (vgl.: Heimatverein Warendorf).

Im Angebot der Stadt Warendorf gibt es auch eine Stadtführung mit dem Thema „Jüdische Spuren: Stolpersteine und ihre Geschichte“, in der die Geschichte der Opfer anhand der Stolpersteine thematisiert wird.