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Die Gewinner 2012/2013:

Platz 1: Das Schicksal der Wittichenauer Juden im Nationalsozialismus

Pfadfinderbund Weltenbummler Landesverband Sachen e.V. – Stamm Huskies, Wittichenau

Der erste Platz geht an keine Schule, sondern an die Pfadfinder von Wittichenau, welche durch ihr Projekt ein unglaublich lobenswertes Engagement zeigten und die Vorstellungen der Denktag-Jury damit übertrafen.

Bei einer Reise nach Berlin entdeckten die Mitglieder des Stammes der Huskies in der „Datenbank der Opfer“ im „Ort der Information“ unter dem Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, dass auch in Wittichenau zwei jüdische Familien gelebt hatten. Der einen gelang die Flucht ins Exil, die andere wurde deportiert und ermordet. Familien, die beinahe in Vergessenheit geraten wären. Ein ausgesprochen stark verdeutlichter und nachvollziehbarer Ausgang zu ihrem Engagement. Sie recherchierten ebenso breit wie tiefgreifend die Schicksale beider Familien in Archiven, fanden ehemalige Klassenkameraden und Nachbarn und rekonstruierten so gut es ging die Geschichte der Juden von Wittichenau. All dies präsentieren sie auf einer schön gestalteten Seite durch Texte und Bilder.

Besonders lobte die Jury die eigenen fiktiven Audiosequenzen, welche die Gruppe aufnahm, um den Lebensalltag der Familien darzustellen. Dies macht deren Schicksal greifbarer, realer und ist gleichzeitig Beweis für die große Kreativität der Jugendlichen. Auch der mit viel Mühe gestaltete interaktive Zeitstrahl, welcher die allseits bekannten Daten wie der Erlass der Nürnberger Gesetze oder den Überfall auf die SU mit den recherchierten persönlichen Daten der Familien verbindet und so klar macht, welche Ereignisse der Judenverfolgung direkte Auswirkungen auf das Leben der Juden in Wittichenau hatten. Das Besondere am Projekt der Pfadfinder ist jedoch die Verlegung der Stolpersteine für die im KZ ermordete Familie Neuhaus, um dafür zu sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Sogar der MDR berichtete über die Verlegung. Dessen Beitrag ist ebenfalls auf der Seite zu sehen.
Die Stamm Huskies übertrafen mit ihrem Engagement alle Erwartungen der Jury. Sie sorgten dafür, dass ein ganzer Ort nie mehr vergessen wird, dass auch in ihrer Heimat, Menschen diskriminiert, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Ohne die Initiative der Jugendlichen wären die Schicksale der Familien Neuhaus und Hilsenrath für immer in Vergessenheit geraten. Die Jury würdigt dies mit einem sehr verdienten ersten Platz!

Platz 2: Es ist schwer von Auschwitz zu erzählen

Projektgruppe des Jg. 11 Maria Montessori Gesamtschule Aachen

Die Gruppe, die den zweiten Platz errang, wählte eine sehr interessante und neue Herangehensweise an die Verbrechen des Holocaust und drückt in seinem Titel bereits eine unangenehme Wahrheit aus. Denn es ist tatsächlich „schwer von Auschwitz zu erzählen“. Die Grausamkeit dieses Ortes sind nicht in Worte zufassen, keines wäre stark genug. Man kann es beschreiben, doch nichts ist eindrucksvoller, als es zu sehen und zu spüren. Genau dies machte sie die Projektgruppe des Jg. 11 der Maria Montessori Gesamtschule aus Aachen zur Aufgabe, was ihr beeindruckend gelungen ist.

Die Inhalte entstanden im Rahmen und in der Folge einer Studienfahrt nach Auschwitz. Eine erfrischend neue Idee war es, das Reisetagebuch nicht abzutippen, sondern die handgeschriebenen Seiten zu scannen und als Bild auf die Seite zu stellen, was dem ganzen große Authentizität und mehr Persönlichkeit verleiht. Es sind durchweg sehr gute, nachhaltige und auch emotionale Texte.

Dem Besucher wird das KZ Auschwitz daneben nicht durch Texte oder alte Bilder präsentiert, sondern durch eine Art Fotorundgang durch die Gedenkstätte mit dem Titel „Stell Dir vor“. Bildern, die bedrückender nicht sein könnten. Die Atmosphäre ist treffend abgelichtet und zieht den Betrachter sofort in ihren Bann. Des Weiteren drehten die Schüler vor Ort einen Film. Keine Dokumentation, sondern eher eine Stille Aufnahme dessen, was man nicht in Worte fassen kann. Ohne Sprache, sondern nur mit sehr treffend gewählter Musik unterlegt, wird der Zuschauer dem KZ und der vorherrschenden Stimmung ausgesetzt. Das Gefühl was dabei entsteht, ist so intensiv und eindrucksvoll, dass jedes Wort überflüssig wird.

Um die Enge der Baracken zu verdeutlichen, bauten die Schüler ein Modell eben dieser sehr aufwändig und detailliert nach. So ist es auch ohne Worte vorzustellen, in welcher Enge und unter welchen Bedingungen die Gefangenen leben mussten. Zu loben überdies die sehr übersichtliche und klare Menuführung des Beitrags! Das Projekt insgesamt bringt in der Art und Weise seiner Darstellung sehr klar die Sprachlosigkeit zum Ausdruck, die einen angesichts der Grausamkeit und Monströsität der Verbrechen und dieses Ortes Auschwitz unweigerlich erfasst. Thema und Intention dieses bemerkenswerten Beitrages!!
Das Prinzip des Denktags wurde sehr gut umgesetzt und hat den Platz auf dem Siegerpodest wohl verdient!

Platz 3: Camp de Gurs. Die Deportation der Freiburger Juden am 22. Oktober 1940

Maximilian Waibel, Friedrich Gymnasium Freiburg

Die Website des dritten Platzes zieht seine Leser bereits beim ersten Blick auf den Bildschirm in Bann. Das Layout ist überwältigend und nahezu perfekt, hält den Leser fest und lässt ihn nicht mehr los. Die ausgewählten Bilder an sich schon beeindruckend, werden mit Text und Farbkomposition zu einem Ganzen gefügt, welches das Thema perfekt visualisiert, ohne es zu überschatten. Es lässt den Leser bereits ahnen, was kommen wird: Camp de Gurs – Die Deportation der Freiburger Juden.

Maximilian Waibel vom Friedrich Gymnasium Freiburg, widmete sich dem Thema seiner Heimatstadt in Süddeutschland durch eine selbst gedrehte Reportage. Besonders zu erwähnen ist hier, dass der Film gekonnt vielfältige Informationen in nur 14 Minuten gut und verständlich vermittelt. Mehr noch, man kann durchaus behaupten, der Film habe Charakterzüge einer professionellen TV-Reportage, denn es gibt sowohl schauspielerisch nachgestellte Szenen als auch Zeitzeugeninterviews, Archivmaterial in Form von Text und Bild, sowie die fachlichen Informationen von verschiedenen Historikern. Dazu liefert Maximilian Waibel ausführlich recherchiertes Hintergrundwissen in Form von Texten und Bildern über Freiburg und Camp de Gurs.
Es lohnt sich nachdrücklich, der Seite einen Besuch abzustatten.
Die Jury war davon sehr beeindruckt, wie viel Mühe sich der Herr Waibel gegeben hat, sein Thema sowohl inhaltlich als auch stilistisch und ästhetisch überzeugend umzusetzen, und vor allem, wie gut ihm das gelungen ist!

Platz 4: Juristen ohne Recht

die 9. Klasse der Realschule Maschstraße Braunschweig

Eine sehr intensive, genaue und erfolgreiche Recherche betrieben die Preisträger des 4. Platzes. Sie beschäftigten sich mit Biographien und Schicksalen verschiedener Braunschweiger Juristen zur NS-Zeit und mussten feststellen, dass es ‚Juristen ohne Recht’ waren. Dieses anspruchsvolle und interessante Thema und den Fleiß der genauen Recherche haben die Jury überzeugt, so dass sie die 9. Klasse der Realschule Maschstraße aus Braunschweig mit dem 4. Platz des Wettbewerbs auszeichnen!

Die Wahl des Themas war hier entscheidend, denn es ist ein Thema über das man selten etwas liest oder hört, welches aber nicht weniger wichtig ist. Es unterstreicht die Abwesenheit eines Rechtsstaats und ist Spiegel der Diktatur. Dies macht es komplexer und schwieriger als andere. Ausgesprochen lobenswert ist daher der hohe Informationsgehalt der Seite, sind die detaillierten und umfassenden Informationen zu den einzelnen Biographien und Schicksalen der Juristen und ihrer Familien.

Die Jury begeisterte zudem vor allem auch die persönlichen Stellungnahmen der Schüler zum Thema selbst. Dies verleiht der Seite eine persönliche Note und ist eine positive Rückmeldung, ein Beweis, dass die Jugendlichen Spaß am Forschen in der Geschichte ihrer Heimat haben und ein sehr großes Interesse vorhanden ist. Der Aufbau ist gut und übersichtlich gestaltet, das Layout ansprechend. Gelegentlich hätte man sich die Nutzung weiterer Medien gewünscht, auch wenn die Seite ein gutes Zusammenspiel aus Texten und Bildern bietet.

Alles in allem bewertete die Jury diesen Wettbewerbsbeitrag gerade für eine 9. Klasse als überragend.

Platz 5: Kultur der Erinnerung

Projektkurs Geschichte, Gymnasium St. Michael, Paderborn

Viele Teilnehmer des Denktags beschäftigen sich oft mit der Geschichte ihres Heimatortes oder ihrer Schule zu Zeiten den NS-Regimes. Gab es Juden im Ort, die ermordet wurden? Leben vielleicht noch Zeitzeugen? Wie wäre unsere Jugend verlaufen, wenn wir 1940 zur Schule gegangen wären?

Mit all diesen Fragen beschäftigte sich der Projektkurs Geschichte des Gymnasium St. Michael aus Paderborn.Dies taten die Schülerinnen des kath. Mädchengymnasiums so überzeugend und vielseitig, dass die Jury sie mit dem 5. Platz auszeichnet!
Durch die kluge Nutzung verschiedener Medien wie Ton, Text und Bild auf der Website ist ein sehr gelungenes Endprodukt entstanden: informativ, kreativ und interessant, auch für Leser im übrigen, die nicht aus Paderborn stammen. Auch diese Website startet übrigens mit einem eindrucksvollen Gedicht, diesmal von der deutsch-israelischen Schriftstellerin Jenny Aloni, die selbst bis April 1935 Schülerin des Gymnasiums war und als eine der bedeutendsten Autorinnen der dt.sprachigen Literatur Israels gilt.

Im Spinnengewebe der Zeit hängen meine Zweifel
und zerbrochene Gedanken gefangene Fliegen
ausgesaugt und verworfen zerriebener Staub
auf sterbender Erde (1992)

Die Gruppe informiert auf ihrer Seite über den allgemeinen Alltag der jugendlichen Mädchen, über den Lehrplan und Aspekte der damaligen Schulpolitik. Ihre Recherchen verarbeiten sie nicht nur zu sehr sprachsicheren Texten, sondern ergänzen sie auch durch interessante Ausschnitte eines Interviews mit einer ehemaligen Schülerin des Gymnasiums St. Michael, welches sie selbst organisiert und verarbeitet haben. Der Titel „Kultur der Erinnerung“ wird selbst in der Gestaltung der Website wieder aufgegriffen. Verblasste Bilder im Layot, das zitierte Gedicht oder die allgemeine Farbgebung unterstreichen das Thema sehr gut.
Die Seite ist alles in allem unfassbar umfangreich, mit viel Fleiß und Wissensdurst gestaltet und ästhetisch ansprechend.

Sonderpreis: Nie wieder! / Wir können auch anders / Liebe Anne ….

Anne Frank AG der Christian-Hülsmeyer-Schule Barnstorf

Da die Recherchen so umfangreich, die Ergebnisse so kreativ als auch informativ sind, dass daraus gleich drei Websites entstanden sind, hat sich die Jury dazu entschlossen, einen Sonderpreis an die Anne Frank AG der Chrisian-Hülsmeyer-Schule in Barnsdorf zu vergeben. Miteinander verbunden, so dass beim Betrachter gelegentlich der Überblick sogar etwas verloren geht.

Umfang und Gestaltung aller Seiten sind dabei ausgesprochen groß und vielfältig. Vor allem beschäftigt man sich darauf mit dem viel zu kurzen Leben der Anne Frank und der Geschichte der jüdischen Bürger in ihrer Heimat Barnstorf, der sie nachspürten. Aufgearbeitet werden u.a. aber auch Besuche im Anne-Frank-Haus in Amsterdam, in Bergen-Belsen oder auch auf dem Soldatenfriedhof in Lommel. Die meisten der sehr persönlich geschriebenen Texte drücken ausgesprochen authentische und tiefe Empfindungen aus. Dazu zählen u.a. die Ergebnisse einer eigenen Schreibwerkstatt.

Die beste Website der AG trägt den Titel „Nie wieder!“ und enthält u.a. einen von den Schülern selbst geschriebenen und sehr persönlichen Brief an Anne Frank, welcher der Jury aufgrund der Ehrlichkeit und der emotionalen Sprache besonders gut gefiel.

Die Inhalte sind alle genau recherchiert und machen das fürchterliche Schicksal Anne Franks deutlich. Ebenso bietet (bieten) die Seite(n) mehr Informationen als allgemein bekannt sind, auch wenn sie gelegentlich noch etwas tiefer in die jeweilige Materie hätten hineingehen können.

Bemerkenswert auch der – bislang leider vergebliche – Einsatz und Kampf der Schüler(innen) für eine Umbenennung der örtlichen Sporthalle in Moritz-Wesermann-Halle, benannt nach einem jüdischen Mitbegründer des Barnstorfer Sportvereins, dessen Angehörige nach seinem eigenen Tod 1936 alle in KZs umkamen.

Stellwände mit umfangreichen weiteren Informationen zu dem gesamten Projekt findet man draußen im Foyer.