Projektbeschreibung

In unserer Ausstellung, „Swing Heil – Wahnsinn in Noten? Tanz der Idioten?“, erhält der Besucher eine Vielfalt an Informationen über die Swing Jugend in Deutschland (mit Augenmerk auf Frankfurt) und deren Konfrontation mit dem Nazi-Regime. Wir versuchen das damalige Lebensgefühl der Jugendlichen widerzuspiegeln, ihre Musik, ihre Art sich zu kleiden und nicht zuletzt ihre Einstellung zum Nationalsozialismus.
Waren diese Jugendlichen wirklich nicht am politischen Geschehen interessiert, wie die Nazis gerne propagierten? Waren ihr Spott und Widerstand gegen die Unterdrücker organisiert oder nur „jugendlicher Unfug“? War beispielsweise die Umdichtung von Sieg Heil auf Swing Heil nur Ausdruck ihrer Liebe zur verbotenen Musik oder bewusst provokativ?
Diesen Fragen versuchten wir durch unsere Recherchen auf den Grund zu gehen. Dabei tauchten wir immer tiefer in die Materie ein und stießen wieder und wieder auf neue Quellen und Erkenntnisse. Wir fanden Sponsoren die unser Projekt befürworteten und unterstützen wollten, trugen Ergebnisse zusammen, arbeiteten sie aus und hatten schließlich nach einem Jahr recherchieren und organisieren, unsere Materialien zu einer Ausstellung zusammengefügt.
Unsere Fragen wurden nach und nach beantwortet, wobei sich jeder seine persönliche Meinung bildete. Daher überlassen wir es dem Besucher, sich selbst ein Bild über die Swing Jugend zu machen. Er kann sich durch Bilder und Textausschnitte in diese Zeit zurückversetzen, sich über die Geschichte des Swing allgemein informieren oder einfach direkt in die Musik eintauchen.
Zudem werden von Büchern und Zeitschriften über Schallplatten und CDs bis hin zu Kleidungsstücken und Plakaten, Ausstellungstücke gezeigt, die zum Bestaunen und Verweilen einladen. Besondere Höhepunkte der Ausstellung werden eine Eröffnungsfeier mit Auftritt einer Band, Gespräche mit Zeitzeugen, ein Treffen der Geschichtswerkstatt Gallus und die Vorführung von Filmen sein.

Entstehung

Im Rahmen unserer Ausbildung wurden wir mit der Erstellung und Durchführung eines Projektes beauftragt. Seit ein paar Jahren wird auf einem Stand der Frankfurter Buchmesse unser Ausbildungsberuf „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste“ präsentiert. Zum ersten Mal ist ein Partnerprojekt entstanden, das parallel eine Ausstellung über die Swing-Jugend in Frankfurt am Main im Nationalsozialismus erarbeitet hat. Entwickelt hat sich dieses Projekt aus dem Unterricht Archivkunde im 2. Ausbildungsjahr. Grundlage ist die Akte aus dem Jahr 1944 „Jugendschutz Allgemeines“. Das „Fürsorgeamt“ bzw. die Gestapo berichteten dem Wohlfahrtsamt über„politisch unerwünschte Erscheinungen“ unter Jugendlichen im Bezirk Frankfurt am Main.

Warum wählten wir diesen Titel?

Wir tüftelten lange an unserem Titel für die Ausstellung. Letztendlich wollten wir Aufmerksamkeit erregen und auf Inhalte und Problematik der Swing-Jugend verweisen. Während unserer Recherchen stießen wir auf unterschiedliche Gruß- und Spottrufe der Swing-Kids, einer davon war „Swing Heil“ statt „Sieg Heil“. Der Haupttitel war gewählt, konnte aber auch von Außenstehenden falsch interpretiert werden. Wir entschlossen uns daher, einen Untertitel zu wählen. Bei unseren Recherchen entdeckten wir viele Bezeichnungen des NS-Regimes für die Swing-Jugend. Dabei beschrieben sie die Swing-Musik als „entartet“ oder „Wahnsinn in Noten“ und den Swing-Tanz als den „Tanz der Idioten“. So entstand der Titel „Swing Heil: Wahnsinn in Noten – Tanz der Idioten?“.