Der Vorleser

„Ich meine nicht, daß Denken und Entscheiden keinen Einfluß auf das Handeln hätten. Aber das Handeln vollzieht nicht einfach, was davor gedacht und entschieden wurde. Es hat seine eigene Quelle und ist auf ebenso eigenständige Weise mein Handeln, wie mein Denken ist und mein Entscheiden mein Entscheiden.“ – der Vorleser


Mit Erschrecken, Freude und Trauer habe ich das Buch „der Vorleser“ von Bernhard Schlink gelesen. Die Schuldfrage, die sich in der Nachkriegszeit ergab, hätte nicht besser dargestellt werden können.

Inhaltsangabe:

Michael ist gerade einmal 15 Jahre alt, als er sich in Hanna verliebt. Sie ist Mitte 30 und verbirgt eine düstere Vergangenheit. Die beiden entwickeln ein gemeinsames Ritual, was ihre Beziehung so besonders macht. Immer vor dem Sex, liest Michael Hanna vor. Daher auch der Titel. Erst Jahre nach ihrer Trennung sehen sie sich wieder. Diesmal aber unter anderen Umständen. Obwohl das was Hanna getan hat nicht zu verzeihen ist, ist Michael bereit ihr wieder einen Teil seines Lebens zu widmen.

Darum geht’s:

Bei diesem Buch ist es äußerst schwierig zu sagen worum es geht, ohne die Spannung aus dem Buch zu nehmen. Deshalb nur soviel. Der Roman handelt von der ewigen Frage nach der Schuld und dem Generationenkonflikt, der sich in den 60ern offenbarte. Es geht um die Entscheidung zwischen Liebe und Verachtung. Um das Leben und um das Vermächtnis der Furchtbarkeiten.

Warum ich dieses Buch empfehle und was ich daraus mitnehme (Achtung Spoiler!!!):

Das Buch hat mir auf eine beindruckende Art und Weise gezeigt warum die Zukunft in meinen Händen liegt. Ich weiß, dass ich keine Schuld an den Geschehnissen der Vergangenheit trage, doch ich glaube, dass ich mich schuldig mache, wenn ich das Vermächtnis der Ermordeten nicht wahre und vor allem, es verleugne. Es ist meine Verantwortung und die Verantwortung meiner Generation die Fehler nicht zu wiederholen, sondern aus ihnen zu lernen. Die Furchtbarkeit der Verbrechen sind nicht zu begreifen und für Gerechtigkeit ist es zu spät, also bleibt mir nur es besser zu machen, jeden zu tolerieren, Fehler zu verzeihen, Geschichte zu leben und alles was ich tue, zu hinterfragen. Der Vorleser hat mir gezeigt, dass ich die Wahrheit niemals als elementar und als einzige Antwort, einzige Wahrheit ansehen darf. Der Holocaust ist viel zu komplex und zu wichtig, um ihn zu vergessen.

Botschaft: Suche nach deinen eigenen Wahrheiten und vertraue nicht auf die der anderen.

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