Meine Briefe an Anne Frank

Anne Frank ist eines meiner Vorbilder. Diese kurzen Briefe sollen Gedanken wiederspiegeln, die ich beim Lesen ihres Tagebuches hatte, aber auch Gedanken, die mir im Alltag gekommen sind. Sie sollen euch als Denkanstöße dienen. Viel Spaß beim Grübeln!

 

4.09.2018

Liebe Anne,

du konntest dir nie vorstellen, dass irgendjemand sich für dich interessiert, und jetzt kennt dich fast jedes Kind. Du wirst überall zitiert und oft frage ich mich, ob du damit einverstanden wärest. Manches hast du doch sicherlich auch einfach nur so dahin geschrieben. Schließlich hattest du nicht vor für andere zu schreiben. Trotzdem wäre die Welt ohne deine Worte um einiges ärmer. Ich kenne dich nun schon für meine Verhältnisse ziemlich lange und für mich bist du wahrscheinlich mehr wie ein Held aus einer Geschichte als einfach nur ein Mensch.

Deine Friederike

10.09.2018

Liebe Anne,

weißt du, dass neben meinem Bett eine Postkarte von dir und von eurem Grabstein hängt. Seit einem Jahr, seit dem ich in Bergen-Belsen war, hängen sie dort und erinnern mich jeden Tag an dich. Vor allem aber erinnern sie mich an all die unschuldigen Kinder und Jugendlichen die Opfer von Krieg, Hunger und Gewalt werden. Sie erinnern mich an die unerschöpfliche Fantasie eines Kindes und ihren stetigen Glauben an das Gute, auch wenn ihre Situation aussichtslos erscheint. Für Kinder ist nichts aussichstlos und deshalb glaube ich können wir noch viel von ihnen lernen. Kinder sind voller Hoffnung, voller Glück und Leben. Aber weißt du was das traurige ist, wir älteren, die Erwachsenen, wir sind es nicht. Nicht, weil wir erst dann die Realität begreifen und sehen, dass es keinen Grund zur Hoffnung gibt, sondern weil wir den Kindern von Beginn an einreden sie würde nicht existieren. Bis diese Kinder älter werden und uns glauben und dann selber damit anfangen. Und weißt du warum wir den Kindern sagen sie hätten zuviel Fantasie, weil wir neidisch sind, dass wir diese Fantasie verloren haben. Dabei müssten wir es nur zu lassen. Wir müssten zulassen, das wir träumen. Wieder träumen zu dürfen, ja, das wäre schon.

Deine Friederike

21.09.18

Liebe Anne,

ich habe dich letztes Jahr auf der Leinwand, die meine Klasse gestaltet hat, zitiert. Du hast in dein Tagebuch geschrieben: „Niemand ist je vom geben arm geworden“. Ich liebe diesen Satz, denn er ist so wahr. Sag mir, wie sind dir diese Sätze eingefallen, aus dem Affekt, oder hast du lange überlegt. Ich glaube ja eher ersteres. Weißt du, ich gebe gerne, aber ich glaube ich könnte, wir könnten noch viel mehr geben, wenn wir uns trauen würden ein Stück unserer Sicherheit aufzugeben. Aber niemand tut das, alle haben zu viel Angst, Angst davor etwas zu verlieren, etwas zu verlieren was eigentlich nur eine Illusion ist. Sicherheit ist eine Illusion, oder?

Deine Friederike

4.10.18

Liebe Anne,

du hast die Welt ein ganz schön großes Stück besser gemacht. Dafür danke ich dir. Kennst du diese Menschen, die behaupten es wäre nicht möglich die Welt zu verändern. Die sich damit aus der verantwortung nehmen zu behaupten einer alleine könne nichts ausrichten. Ich glaube diese Menschen haben Angst, Angst vor der Verantwortung, die sie tragen würden, wenn sie zugeben würden, dass auch sie alles verändern könnten. Denn dann müssten sie überlegen, ob sie überhaupt hinter dem stehen was sie täglich tun.

Deine Friederike

4.10.18 – Nachtrag

Liebe Anne,

mir fiel da gerade noch etwas zum Thema Veränderung ein: Wir alle hinterlassen Spuren. Die Welt zu verändern ist demnach nicht schwer. Sie zum Guten zu verändern, das ist die Kunst.

LG Friederike

31.10.18

Liebe Anne,

heute ist Reformationstag. Die meisten denken es ist Halloween, aber eigentlich ist Reformationstag. An diesem Tag feiern wir, dass Luther herausgefunden hat, das Gott uns liebt wie wir sind. Egal welche Sünden wir begangen haben. Und vor allem, egal welchem Geschlecht wir uns zuordnen, wen wir lieben, welche Farbe unsere Haut hat oder welcher Religion wir angehören. Vor Gott sind wir alle gleich. Vielleicht sollten wir das anstelle von Halloween feiern. Es würde den Menschen auf jeden Fall mal wieder gut tun zu hören:

„Ich lieb dich so wie du bist!“ oder „Du bist okay, so wie du bist!“

Vielleicht sollten wir den Reformationstag zum Tag der Liebe machen…

In Liebe deine Friederike