DANKE

Mein Name ist Sarah Kohlhase.
Ich bin Schülersprecherin unserer Schule und werde 2021 mein Abitur am Friedrich-Gymnasium Freiburg ablegen.

AUF DER ANDEREN SEITE ist ein Projekt, in das meine Überlegungen, Recherchen und Ergebnisse eingegangen sind, die ich für meine Seminarkursarbeit [Seminarkurs Dokumentarfilm, Friedrich-Gymnasium 2019/2020] zusammengetragen habe.
Ich bin die Autorin des Projekts AUF DER ANDEREN SEITE, in das ich auch meinen eigenen Dokumentarfilm eingebunden habe.
Recherche, Dreh, Interviews, Schnitt und Produktion stammen von mir.

Sarah Kohlhase, Friedrich-Gymnasium Freiburg.
Gedenkstunde für Heinrich Rosenberg am 23. Oktober 2020.

AUF DER ANDEREN SEITE bildet die Initiative der Platzumbenennung vor unserer Schule ab, die im Jahr 2012/2013 begonnen hat. Acht Jahre später wird die Platzumbenennung Realität, das Ergebnis ist das Werk Vieler, ruht auf den Schultern Vieler, im Grunde der ganzen Schulgemeinschaft des Friedrich-Gymnasiums. Mit meiner Arbeit dokumentiere ich diesen erinnerungskulturellen Prozess meiner Schule.

Das Kapitel ERINNERUNG hat Rebekka Jürges verfasst.
Laurin Muthesius hat die Bilder in Gurs gemacht. Beide sind Schüler/innen unserer Schule.

Die auf den Seiten verwendeten BILDER stammen in Teilen von mir, in großen Teilen aus dem Archiv des Friedrich-Gymnasiums Freiburg.

AUF DER ANDEREN SEITE ist ein Projekt, das ich auch stellvertretend für meine Schule einreiche. Dass der Platz vor unserer Schule schließlich im Jahr 2020 in Heinrich-Rosenberg-Platz umbenannt wurde, dass die Stadt Freiburg der Eingabe des Friedrich-Gymnasiums gefolgt ist, ist für mich auch ein politisches Statement, dass das schulische Ringen um eine Erinnerungskultur aufzeigt, die schließlich über die Grenzen der Schule hinaus unsere Stadt, Freiburg im Breisgau selbst betrifft.

Schülerschaft, Kollegium, Elternschaft und Schulleitung des Friedrich-Gymnasiums haben die Idee zur Platzumbenennung in breiter Form unterstützt, sämtliche Gremien unserer Schule haben sich für die Umbenennung des Platzes AUF DER ANDEREN SEITE in Heinrich-Rosenberg-Platz ausgesprochen und die Eingabe unserer Schule bei der Stadt Freiburg begleitet.

Danke an meine Vorgängerin Elena Muggenthaler. Sie hat 2012/2013 als Oberstufenschülerin ebenfalls den „Seminarkurs Dokumentarfilm“ an unserer Schule belegt, über Heinrich Rosenberg gearbeitet und die Erinnerung an ihn wieder lebendig gemacht. Dazu hat auch der DENKT@G-Wettbewerb der Konrad-Adenauer-Stiftung beigetragen, denn im Januar 2015 wurde Elenas Arbeit in Berlin gewürdigt.

Danke an meine Interviewpartner, die bereitwillig, geduldig und aufgeschlossen – und das auch noch vor der Kamera – auf meine Fragen eingegangen sind:
Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg
Atai Keller, Kulturliste Freiburg
Prof. Dr. Bernd-Stefan Grewe, Professor für Geschichte, Tübingen
Felix Beuter, Grüne Alternative Freiburg

Danke an Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann, Professor für Evangelische Theologie, Religions- und Schulpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, der auch an unserer Schule lehrt und sich in der Freiburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit engagiert. Der PROLOG stammt von ihm.

Danke an Gregor Delvaux de Fenffe, Lehrer für Geschichte und Französisch, der den Seminarkurs Dokumentarfilm seit vielen Jahren an unserer Schule leitet und mich zu meinem Dokumentarvorhaben ermutigt hat. Er hat die Eingabe des Friedrich-Gymnasiums zur Platzumbenennung an die Stadt Freiburg verfasst. Aus seiner Feder stammt der EPILOG (am Ende dieser Seite).


RECHERCHE

Als Oberstufenschülerin des Friedrich-Gymnasiums Freiburg kam ich schon zu Beginn der Initiative mit Heinrich Rosenbergs bewegender Geschichte in Berührung. Somit fiel es mir nicht schwer, mich in die Hintergründe einzuarbeiten, ich setzte mich intensiv mit den Biografien Ludwig Aschoffs und Heinrich Rosenbergs auseinander. Im November 2019 putzte ich selbst die Stolpersteine der Familie Rosenberg und befasste mich mit verschiedenen Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus. Meine eigentlichen Recherchen konzentrierten sich dann auf die Debatte zur Straßenumbenennung in der Badischen Zeitung, welche sich über mehrere Jahre hin erstreckte. Es war spannend, den Prozess aufzuwickeln und die teils hitzigen Diskussionen zu verfolgen. Unsere Schule stand schon seit längerer Zeit mit dem Rathaus in Kontakt und im Frühjahr 2020 stand dann die entscheidende Gemeinderatssitzung an. Je näher der Termin des 3. März näherrückte, desto mehr konnte man sehen, wie die Debatte wieder hochkochte und bald in aller Munde war. Ich kontaktierte die Redakteurin der Badischen Zeitung Julia Littmann, die mir noch mehr Einblicke in die Thematik verschaffte. Ich konnte mich mit dem Stadtrat Jan Otto von den Grünen treffen und ihn zur aktuellen Stimmung im Gemeinderat interviewen. Außerdem bekam ich die Gelegenheit, mit Atai Keller, dem Kulturberater und Gründungsmitglied der Kulturliste, zu reden, der für die Fraktionsgemeinschaft SPD / Kulturliste im Gemeinderat sitzt. Am Tag der Gemeinderatssitzung fing ich mehrere O-Töne von Passanten zur aktuellen Lage ein und bekam viel Zuspruch für die Initiative des Friedrich-Gymnasiums. Durch mehrere E-Mails und Telefonate war es mir schlussendlich sogar gelungen ein Interview mit Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn zu organisieren, sowie auch mit dem Freiburger Stadtrat Felix Beuter, der den Redebeitrag für die Fraktionsgemeinschaft „Eine Stadt für alle“ vortrug. Während der Gemeinderatssitzung kam ich durch die BZ-Redakteurin Julia Littmann ins Gespräch mit Irina Katz, der Vorsitzenden der israelischen Gemeinde Freiburg.

Die Corona-Pandemie hat dann im Zuge meiner dokumentarischen Arbeit etliche meiner Ideen ausgebremst, ich musste bei meinem Projektplänen Abstriche machen. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Dokumentation zu guter Letzt schließlich realisieren konnte.


Bildlegende von RECHTS nach LINKS
Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann, Religionspädagoge, Lehrer am FG, Professor an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Herr Dr. Stefan Gönnheimer, Schulleiter Friedrich-Gymnasium
Herr Gregor Delvaux de Fenffe, Leitung des „Seminarkurs Dokumentarfilm“ am FG
Herr Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, 
Herr Prof. Dr. Bernd Martin, Vorsitzender der Kommission zur Straßenumbenennung in Freiburg
Frau Winnes Goller, ehem. FG-Konrektorin 
Herr Martin Ledinger, Vorsitzender des Herdermer Bürgervereins
Frau Dr. med. Maria Haller, Elternbeiratsvorsitzende FG
Daneben: Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 2 des Friedrich-Gymnasium (kommende Abiturienten), darunter wir Schülersprecherinnen Sarah Kohlhase und Constanze Häcker.
INAUGURATIONSFEIER HEINRICH-ROSENBERG-PLATZ, FREIBURG. 23. Oktober 2020.

Von RECHTS nach LINKS:

Herr Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann, Religionspädagoge, Lehrer am FG, Professor an der Evangelischen Hochschule Freiburg.
Herr Dr. Stefan Gönnheimer, Schulleiter Friedrich-Gymnasium.
Herr Gregor Delvaux de Fenffe, Leitung des „Seminarkurs Dokumentarfilm“ am FG.
Herr Bürgermeister Ulrich von Kirchbach.
Herr Prof. Dr. Bernd Martin, Vorsitzender der Kommission zur Straßenumbenennung in Freiburg.
Frau Winnes Goller, ehem. FG-Konrektorin.
Herr Martin Ledinger, Vorsitzender des Herdermer Bürgervereins.
Frau Dr. med. Maria Haller, Elternbeiratsvorsitzende FG.
Daneben: Schülerinnen und Schüler aus meiner Stufe (Kursstufe 2) des Friedrich-Gymnasium (wir sind die Abiturientinnen und Abiturienten 2020/2021), darunter auch wir Schülersprecherinnen Sarah Kohlhase und Constanze Häcker.

QUELLEN

  • Dana Bostedt, Johannes Kreutel, Maria haller, Susanne Müntefering und Stefan Gönnheimer: „Unserem Vorschlag ging ein intensiver Prozess in allen schulischen Gremien voraus“, Badische Zeitung, 2020
  • Bernd Martin und Heinrich Schwendemann: „Am Ende stand Auschwitz und somit auch die Ermordung von Heinrich Rosenberg“, Badische Zeitung, 2020
  • Hans-Hartmut Peter und Hans-Eckert Schaefer: „Wir empfehlen Nachdenken und eine Neubesinnung bei der Namensgebung“, Badische Zeitung, 2020
  • Kitzler, Jens: „AfD sorgt für Konfusion“, Badische Zeitung, 2020
  • Littmann, Julia: „Verwaltung schlägt „Heinrich-Rosenberg-Platz“ vor“, Badische Zeitung, 2020
  • Mauch, Uwe: „Gegen die Umbenennung“: Badische Zeitung (2016), S.21
  • Prüll, Cay-Rüdiger: Medizin und Nationalsozialismus: Ludwig Aschoff (1866-1942) Wissenschaft und Politik in Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus (S.93 – 118), Frankfurt am Main 2002.
  • Schaefer, Hans-Eckart: Anmerkungen zur konzentrierten Diskreditierung des Pathologieprofessors Ludwig Aschoff durch Presse, Stadt Freiburg und Universität. –Freiburger Zeitgeschichte auf Abwegen.
  • Trittel, Katharina: Hermann Rein und die Flugmedizin: Erkenntnisstreben und Entgrenzung, 07.09.2018
  • Zimmermann, Frank: „Wem gebührt Ehre?“: Badische Zeitung (2016)
  • Zimmermann, Frank: „Das problematische Dutzend“: Badische Zeitung (2016), S. 21
  • Zimmermann, Frank: „Menschliche Maßstäbe“: Badische Zeitung

QUELLEN ONLINE

  • Manago, Michael: „Irrsinnige Namensänderung- und Schildergänzungswünsche“: Homepage Freiburg Lebenswert, Recherchedatum: 05.01.2020

URL https://freiburg-lebenswert.de/wp-content/uploads/2016/10/Irrsinnige-Namensänderungswünsche.pdf

  • Aschoff-Platz soll umbenannt werden: wir sollen mitreden. Recherchedatum: 05.0.2020

URL http://www.fg-freiburg.de/fg/aktuelles/meldungen/aschoff-platz-soll-umbenannt-werden.php

  •  Mandic, Dubravko: “Rede vor der Antifa Freiburg” [Video], Recherchedatum 20.04.2020

URL https://www.youtube.com/watch?v=R0qm9q5E3RY


EPILOG

Wir müssen sehr achtsam sein; die Initiative des Friedrich-Gymnasiums zur Umbenennung des Platzes vor unserer Schule in Heinrich-Rosenberg-Platz kann den nationalsozialistisch belasteten Ludwig Aschoff nicht zum Sündenbock für das Versagen machen, das in unserer Schule selbst zu suchen ist.

Es war das Dritte Reich, es war die Stadt Freiburg, es war die Schulleitung, es war die Schulgemeinschaft des Friedrich-Gymnasiums, die Heinrich Rosenberg 1938 aus der Schule ausgeschlossen, aus der Gesellschaft ausgestoßen hat.
Schließlich wurde Heinrich Rosenberg dem entsetzlichsten Tod überantwortet, den menschliche Kreatur unserem Empfinden nach überhaupt erleiden kann.

Wir müssen uns die Fragen gefallen lassen:
Wie gefeit wären wir heute, wenn sich Geschichte bei uns hier an der Schule wiederholen würde?
Ist die Platzbenennung nach Heinrich Rosenberg auch eine neuerliche Viktimisierung Heinrich Rosenbergs?
Bedeutet die Platzbenennung nach ihm nicht auch eine Reduktion dieses unvollendet gebliebenen Menschenlebens auf seine Vernichtung?

Bleiben wir skeptisch. Wachsam.

Die ehemaligen Geschichtslehrer des Friedrich-Gymnasiums Klaus Hennemann und Torsten Gass-Bolm kommentierten im Jahr 2004 ihr „Geschichtsprojekt Stolperstein für Heinrich Rosenberg“ im Rahmen der 100-Jahr-Feier des Friedrich-Gymnasiums Freiburg mit folgenden Worten, die auch an dieser Stelle richtungsweisend sind und uns nachdenklich stimmen müssen:

„Das Leben des Heinrich Rosenberg, das sich am FG mit Sicherheit schwierig gestaltete und das sich nach seinem erzwungenen Ausscheiden aus der Schule noch zwei Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft abspielte, und sein weiterer Weg in den Tod wurden über 60 Jahre mit Schweigen übergangen. Wir müssen also auch an die Möglichkeit denken, dass Heinrich Rosenberg seine Zustimmung für eine Veröffentlichung im Rahmen einer Jubelfeier verweigert hätte. Wir können allenfalls hoffen, dass wir auch in seinem Sinne das Richtige getan haben.“

Klaus Hennemann und Torsten Gass-Bolm: Projekt „Stolperstein für Heinrich Rosenberg“, in: Friedrich-Gymnasium (Hrsg.): 100 Jahre Friedrich-Gymnasium Freiburg. Festschrift. Freiburg im Breisgau 2004, S. 96.