Berichterstattung

Die Olympischen Spiele 1972 waren ein sehr großes Medienereignis. Viele Stunden wurden täglich über die Sportereignisse berichtet.

Das Münchner Attentat 1972 wurde natürlich weltweit live in Radio und Fernsehen übertragen. Jedoch führte diese live Übertragung auch zum Teil zu einer unübersichtlichen Informationslage. Die Polizei plante z.B. eine Befreiung der Geiseln durch als Sportler getarnte Scharfschützen. Diese Polizisten wurden jedoch von Fernsehteams gefilmt, sodass die Terroristen dies im Fernsehen sahen und der Plan der Polizei scheiterte. Man hatte vergessen den Terroristen „den Strom abzudrehen“. Um 23:31 Uhr ging dann die Eilmeldung einer geglückten Befreiung durch die Welt. Um 23:35 Uhr wurde dann auch im Fernsehen von 4 getöteten Geiselnehmern und der Befreiung aller Geiseln berichtet. Erst um 2:40 Uhr erfuhr die Öffentlichkeit von der missglückten Befreiungsaktion.

Berichterstattung in der DDR

Wie wurde in den Medien der DDR über das Attentat in München geschrieben?

Analyse der Berichte in der Regionalzeitung „Sächsische Zeitung“, in der Sonderausgabe des Zentralorgans der SED „Neues Deutschland“ und im offiziellen Olympiabuch der DDR

„Schatten über München“, „Das Blutvergießen“, „Blutnacht von Fürstenfeldbruck“-, es gab viele Bezeichnungen für diesen einen Tag, der die Geschichte Deutschlands stark prägte. Die außergewöhnliche Bedeutung des Olympia Attentats kam in der DDR-Presse besonders zum Vorschein.

Die Zeitungen berichteten über so gut wie alles, was mit dem Terroranschlag in Verbindung stand. Ausführliche Artikel zum Ablauf des Massakers und zu den Auswirkungen des Anschlags auf die Olympischen Spiele sind in jeder Ausgabe zu lesen. Außerdem beschäftigt sich die Presse mit den Folgen dieses schrecklichen Ereignisses. Es wird von den Schweigeminuten und Gedenkveranstaltungen berichtet.

Manche Nachrichtenzeitungen, wie die Sächsische Zeitung, zitieren aus Zeitschriften anderer Länder um die unterschiedliche Sichtweise zu veranschaulichen. In diesem Zusammenhang kommt auch oft Kritik an den Maßnahmen der BRD-Regierung zum Vorschein.

Neben den negativen Schlagzeilen, sind jedoch auch Artikel wie „Mit Optimismus und Zuversicht“ oder „Triumph des sozialistischen Sports“ zu erkennen, wenn es um die eigenen sportlichen Erfolge geht.

Neben den Berichten zum Olympia Attentat, veröffentlichten die Zeitungen einige Interviews mit höher angesehenen Personen. Diese Befragungen sollten den Menschen Klarheit verschaffen. In einem Interview mit dem neuen Präsidenten des IOC (Internationales Olympisches Komitee), Lord Killanin, werden Fragen zu den Problemen der olympischen Bewegung gestellt und anschließend beantwortet. Bei der Frage, ob die furchtbaren Ereignisse im olympischen Dorf und in Fürstenfeldbruck Auswirkungen auf die olympische Bewegung haben werden, antwortete Killanin Folgendes: „Die tragischen Geschehnisse werden immer in Erinnerung bleiben. Sie haben zugleich deutlich gezeigt, daß jeder Mißbrauch der Spiele für politische Zwecke im Widerspruch zum olympischen Geist steht.“ [1].

Ob diese Antwort für jeden Leser zufriedenstellend war, kann man nicht sagen. Sie ist vielmehr eine undeutliche Aussage, bei der um den wirklichen Kern herumgesprochen wurde.

Gleichzeitig wird die Ablehnung terroristischer Aktionen als Mittel des Befreiungskampfes durch die Regierung der DDR formuliert.[2]

Terroranschlag unterbrach die Spiele

Ein terroristischer Anschlag im olympischen Dorf von München veranlaßte das Internationale Olympische Komitee und das Organisationskomitee der XX. Sommerspiele, die Olympischen Spiele zu unterbrechen.

Eine Gruppe mit Maschinenpistolen bewaffneter arabischer Terroristen war in das olympische Dorf eingedrungen und hatte die Unterkunft der israelischen Mannschaft gestürmt. Bei dem Überfall waren Mitglieder der israelischen Mannschaft erschossen worden.

Offizielle Kreise in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik verurteilen dieses verabscheuungswürdige Verbrechen auf das allerschärfste. Die DDR lehnt den Terror als Mittel zur Erreichung politischer Ziele ent­schieden ab. Solche terroristischen Aktionen fügen auch der olympischen Bewegung schweren Schaden zu.

Nach Angaben des bayrischen Innenministeriums hielten die Terroristen mehrere Geiseln fest und forderten die Freilassung von 200 Gefangenen in Israel. Außerdem verlangten sie die Bereitstellung einer Maschine auf dem Münchner Flugplatz zum ungehinderten Abflug mit den Geiseln.

Nach Angaben des bayrischen Innenministeriums hielten die Terroristen mehrere Geiseln fest und forderten die Freilassung von 200 Gefangenen in Israel. Außerdem verlangten sie die Bereitstellung einer Maschine auf dem Münchner Flugplatz zum ungehinderten Abflug mit den Geiseln.

In einem Kommentar auf der gleichen Seite wird betont, dass die DDR den Kampf der arabischen Staaten gegen den israelischen Aggressor-Staat unterstützt. Dieser terroristische Anschlag schade allerdings dem Befreiungskampf.

Kommentar

Zum terroristischen Überfall auf das olympische Dorf

Die Nachricht, daß Terroristen in das olympische Dorf eindrangen, zwei israelische Sportler ermordeten, Geiseln festhielten und die Sicherheit auch anderer Teilnehmer bedrohten, wurde in der Deutschen Demokratischen Republik, wie in anderen Ländern, mit Abscheu aufgenommen. In der DDR wird der terroristische Anschlag gegen die XX. Olympischen Spiele entschieden verurteilt. Das Verbrechen, das im olympischen Dorf in München geschah, ist ebenso schauderhaft wie sinnlos.

Wie in München mitgeteilt wurde, soll der Anschlag von der Organisation „Schwarzer September“ ausgeführt worden sein. Mit ihrer Untat haben die Terroristen nicht zuletzt den mit uns freundschaftlich verbundenen arabischen Staaten schweren Schaden zugefügt.

Es ist bekannt, daß die DDR gegen die Aggression Israels an der Seite der arabischen Staaten steht und eine politische Lösung des Konflikts auf der Grundlage der Resolution des Sicherheitsrates unterstützt. Terrorakte, wie der in München verübte, können selbstverständlich weder einer gerechten friedlichen Lösung dienen noch sonstwie dazu beitragen, daß die von Israel besetzten arabischen Gebiete geräumt werden.

Was die Olympischen Spiele betrifft, so muß man dem Internationalen Olympischen Komitee zustimmen. Es hat erklärt, daß „die olympische Idee stärker ist als Terror und Gewalt“. Es ist ein Grundgedanke der Olympischen Spiele, Sportler der Welt im fairen Wettkampf zu vereinen und auf diese Weise zu friedlichen Beziehungen beizutragen. Politischer Mord an olympischer Stätte ist ein harter Schlag gegen diesen guten, edlen Sinn der Spiele. Auf die XX. Olympischen Spiele ist ein tiefer Schatten gefallen. Trotzdem hoffen wir, daß sie in Sicherheit und Frieden zu Ende geführt werden als eine Veranstaltung, die der Sache des Friedens und der friedlichen Koexistenz nützt.             Dr. K.

Das Attentat wird in der Sächsischen Zeitung als „[…] furchtbares Blutbad […]“ und als die „Nacht des Blutes und der Lügen“ [3] dargestellt. Dies deutet darauf hin, dass dieses Attentat für alle schwere Folgen hat und haben wird.

Es ist auffällig, dass sehr oft Zitate aus anderen Ländern verwendet werden. Das könnte so interpretiert werden: Seht her, nicht nur die DDR sieht es so, sondern auch viele andere Länder. Besonders gern werden Medien aus dem westlichen Ausland zitiert, die nicht im Verdacht stehen, sozialistisch zu sein. Damit wird die Kritik an der BRD verstärkt.

Wie aus der „Sächsischen Zeitung“ vom 07.09.1972 und vom 08.09.1972[4] zu entnehmen ist, wird die BRD-Regierung durch die anderen Länder sehr stark kritisiert und beschuldigt, dass sie am furchtbaren Ende des Attentats die Schuld trage.

Die „Sächsische Zeitung“ zitiert z.B. aus der Presse Bulgariens („Rabotnitschesko Delo“), dort kann man entnehmen, dass diese finden, die Maßnahmen für die ruhige und sichere Lage der Olympischen Spiele sei nur eine Seifenblase gewesen. Das offizielle Bulgarien ist der Meinung: „Die Versicherungen, daß die Tätigkeiten verschiedener übelgesinnter Emigrantengruppen und profaschistischer Organisationen, die sich auf Aktionen und Provokationen vorbereiten, auf ein Minimum beschränkt wird, sind ebenfalls Märchen geblieben.“

Syrische Medien[5] (Radio Damaskus) kommentieren, die Falle welche den Terroristen gestellt wurde, forderte nicht nur den Tod der Terroristen, sondern auch den der Geißeln und des Polizisten. Zudem wird die BRD-Regierung kritisiert, dass sie die Weltöffentlichkeit stundenlang belogen und nicht von den Geschehnissen berichtet hätte, was die „Sächsische Zeitung“ ebenfalls am 07.09.1972 auf Seite 2 veröffentlichte.

Die „Sächsische Zeitung“ vom 8.9.1972, S.2 zitiert auch den (nicht allzu aussagkräftigen, aber immerhin Bürger der BRD) Münchner Rechtsbeistand, Ludwig R. Hölbe, der mitteilte, er sei der Meinung, dass es ein furchtbares Verbrechen war. Die Hoffnung auf störungsfreie Spiele sei nicht berechtigt gewesen, da das Risiko für Angriffe auf die Olympischen Spiele durch über 100 Emigrantenorganisationen allein in München zu groß gewesen sei. Zudem ist er der Meinung, dass München nicht der geeignete Ort für diese Spiele im Geiste des Friedens und der Völkerverständigung gewesen sei.

Aus der Sowjetunion („Prawda“) wird berichtet[6], dass Israel als Rache für das Attentat in München („Schuldlose Menschen – Opfer der Verbrechen Tel Avivs“) nun mit ihrer Luftwaffe auf arabischen Boden angreifen würde. Die Feindschaft zum Staat Israel wird bekräftigt, mit der Behauptung, dass diese räuberische Aktion dem Ziel Israels diene, eine politische Regelung der Nahostkrise zu sabotieren.

Im offiziellen Olympiabuch[7] wird Israel für seine Politik stark kritisiert. Im Prinzip wird Israel beschuldigt, selbst an diesem Unglück Schuld zu sein. Da die BRD und die USA die Handlungen Israels unterstützen, werden sie automatisch mit in diesen Konflikt hineingezogen. Die DDR unterstütze mit der Sowjetunion dagegen den Freiheitskampf der arabischen Völker. Den Terrorismus lehnen die sozialistischen Länder ab.

Fürstenfeldbruck und was dazu gesagt werden muß

Israelische Mannschaft – arabische Freischärler – Schüsse im Dorf – auch das ist Teil dieser Olympischen Spiele von München, der nicht vergessen werden kann.

Und um es klarer zu sagen:

Auch das ist Teil imperialistischer Umtriebe bei diesen Spielen von München.

Weil Israel die Menschenrechte mißachtet, weil Israel die Charta und die Beschlüsse der Vereinten Nationen mit Füßen tritt, war und ist Krieg in Nahost. Weil Israel arabische Gebiete besetzt hält, weil Israel arabische Völker unterdrückt, weil Israel arabische Menschen bedroht und arabische Dörfer mit Bomben und Terror belegt, ist Krieg in und um Nahost. Und weil westdeutsche Imperialisten und amerikanische den Israelis zur Hand gehen, gibt es Terror und Mord in und wegen Nahost.

Dort also liegen die wahren Ursachen für die Vorkommnisse um die israelische Mannschaft im olympischen Dorf von München. Und dort auch liegen die wahren Ursachen für das Blutbad, das verantwortliche Politiker der Bundesrepublik in diesem Zusammenhang in Fürstenfeldbruck zuließen.

Andrej Gromyko, Außenminister der UdSSR, sagte auf der 27. UNO-Voll­versammlung in New York am 26. September 1972 eindeutig, was zu diesem Gesamtthema in aller Klarheit gesagt werden muss und – zusammengefasst – noch einmal zitiert sei:

«Niemand kann das unabdingbare Recht der Staaten und Völker, die einer Aggression ausgesetzt sind, anzweifeln, gegen die Aggression entschiedensten Widerstand zu leisten, solange der Aggressor unter Fortsetzung der Gewalt­anwendung ihre Freiheit und Souveränität verletzt, solange er versucht, die mit Gewalt eroberten Territorien festzuhalten. Die Beispiele, die alle vor Augen haben, reichen aus: Indochina und der Nahe Osten. Mancher verrenkt sich die Zunge, um das Unbestreitbare zu bestreiten: Gegen die Völker Indochinas wie auch gegen die arabischen Staaten wird weiterhin grobe Gewalt angewendet, und sie haben das Recht, alle notwendigen Mittel für die Abwehr der Aggression zu benutzen.

Der Verzicht auf die Anwendung von Gewalt in den zwischenstaatlichen Be­ziehungen beschränkt in keiner Weise die Rechte der Völker der kolonialen Länder auf den Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit…

Wir unterstützen deshalb den gerechten Kampf des arabischen Volkes von Palästina für die Wiederherstellung seiner legitimen Rechte, die von der Organisa­tion der Vereinten Nationen anerkannt werden.

Gleichzeitig kann man die terroristischen Aktionen einiger Elemente unter den Teilnehmern der palästinensischen Be­wegung nicht billigen, die unter anderem zu den jüngsten tragischen Ereignissen in München geführt haben. Ihre Aktionen schaden sowohl den nationalen Interessen als auch den Hoffnungen und Wünschen der Palästinenser selbst. Diese Aktionen werden von den israelischen Verbrechern zur Rechtfertigung ihrer Raubpolitik gegenüber den arabischen Völkern benutzt.»

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Medien der DDR in ihren Aussagen übereinstimmen. Bei staatlich gelenkten Medien und Zensur kein Wunder.

Das Olympia Attentat war ein sinnloses Blutbad, welches hätte verhindert werden können. Die BRD habe sich als unfähig erwiesen, die Olympioniken zu schützen. Es habe unnötig viele Tote gefordert und brachte Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Ländern hervor. Die olympische Idee wurde nachhaltig geschädigt. Bei einem imperialistischen Staat mit profaschistischen Elementen sei das allerdings kein Wunder.


[1] XX. Olympische Sommerspiele 1972, Sonderausgabe Neues Deutschland und Gesellschaft zur Förderung des Olympischen Gedankens in der DDR, Berlin, 1972, S.2

[2] Ebenda, S.4

[3] Sächsische Zeitung, Organ der Bezirksleitung Dresden der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 7.9.1972, 27. Jahrgang, Nr. 213, S.1

[4] Sächsische Zeitung, 8.9.1972, 27.Jahrgang, Nr. 214, S. 1

[5] Sächsische Zeitung, 7.9.1972, S.2

[6] Sächsische Zeitung, 12.9.1972, Nr. 217, S.1

[7] Spiele der XX. Olympiade München 1972, Hrsg. Von der Gesellschaft zur Förderung des olympischen Gedankens in der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1973, S. 19

https://m.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/143786/olympia-1972-geiselnahme-04-09-2012 (10.11. 16:41 Uhr)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/schwarzer-september-das-olympia-attentat-von-1972.1079.de.html?dram:article_id=428740 (10.11. 16:53 Uhr)