DDR und Israel

Das Verhältnis der DDR zu Israel (bis Mitte der 70er Jahre)

Die Beziehungen der DDR mit Israel lassen sich zu großen Teilen als schlichtes Nichtverhältnis bezeichnen, denn jahrzehntelang gab es praktisch keine offiziellen Kontakte zwischen den beiden Staaten.[1] Mit Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die UdSSR, und so auch die DDR, große Hoffnungen auf eine Zusammenarbeit mit dem neugegründeten Staat Israel. Diese versprach dem Ostblock einen geographischen Vorteil im Kalten Krieg.

Nachdem Israel allerdings Entschädigungszahlungen von beiden deutschen Staaten gefordert hatte und die DDR ökonomisch nicht dazu in der Lage war diese zu leisten, bzw. sich nicht als Nachfolgestaat „Hitlerdeutschlands“ verstand und sich daher weigerte, wandte sich Israel eher der wirtschaftlich stärkeren BRD und damit dem Westblock, vor allem den USA zu.

Folglich kehrte sich die Einstellung der DDR gegenüber Israel ins Negative und das Land wurde propagandistisch als „aggressiver Militärstützpunkt und ständiger Unruheherd im Nahen Osten“ dargestellt.[2]

Zusätzlich warb die DDR in den 1950/60ern um die Gunst der arabischen Staaten, die eine große Feindschaft mit dem neugegründeten Staat Israel verband. Spätestens mit der Suezkrise 1956 wandte sich die politische Führung der DDR schließlich vollständig von Israel ab, da sie dieses als Schuldigen für den Friedensbruch im arabischen Raum sahen. Mit dem Sechstagekrieg im Juni 1967 startet die SED erneut eine Hetzpolitik gegen den Aggressorstaat.

Zum Verhältnis der DDR und Israel lässt sich sagen, dass deren Differenzen sich vor allem auf wirtschaftlich-ideologische Unterschiede im Zuge des Ost-West-Konflikts beziehen. Während die DDR sozialistisch geprägt war, etablierte sich in Israel die westliche Demokratie und der im Ostblock so verpönte Kapitalismus hielt langsam Einzug. Demzufolge hat die Abneigung der DDR gegenüber Israel weniger etwas mit Antisemitismus zu tun. Eher spricht man vom sogenannten Antizionismus, der sich nicht auf die Ablehnung der Juden allgemein, sondern ausschließlich auf die Bevölkerung Israels bezieht. Da diese nun aber überwiegend aus Juden bestand, wurde von der SED-Führung auch öfters antisemitische Hetze genutzt. Häufig wurde die propagierte Feindseligkeit gegenüber Israel von der DDR-Bevölkerung automatisch auf Juden allgemein übertragen.


Die DDR und der Holocaust

Die DDR hatte ein sehr einseitiges Bild der Erinnerungskultur des Holocausts, denn es gab nur eine geringe öffentliche Auseinandersetzung mit diesem. Mit der Zeit wurde die Erinnerungskultur vor allem genutzt um den Kommunismus zu preisen, da die SED-Führung die Beteiligung der eigenen Bevölkerung an den Naziverbrechen unter den Tisch fallen lassen wollte. Es wurden zwar Gedenkstätten wie Buchenwald oder Sachsenhausen eingerichtet, dabei wurden die jüdischen Opfer allerdings, im Gegensatz zu den Kommunisten, kaum beachtet.

Zudem wurden Juden als Opfer zweiter Klasse angesehen, weil sie keine „Kämpfer gegen den Faschismus“ waren, sondern nur dessen Opfer. Die DDR zahlte Renten u.ä. an die Opfer des NS- Regimes unter anderem auch an Juden, aber nur, wenn diese mit der DDR konform waren.

1952 forderte Israel Entschädigungszahlungen der DDR für die Opfer des Holocausts, aber die SED-Führung weigerte sich diese zu zahlen, weil sie die DDR nicht als Nachfolgestaat des Dritten Reichs sahen. Sie behaupteten, dass der Antisemitismus in der DDR ausgerottet sei. Im Jahr 1953 gab es eine „Zäsur der Auseinandersetzung mit der Shoa in der DDR“[3], dabei wurden jüdische Parteimitglieder wegen antisemitischer Vorwürfe und angeblicher Westkontakte verfolgt. Dennoch wurde im selben Jahr ein Ehrenmal für jüdische Opfer des Faschismus errichtet. In den 1960er Jahren erhielt die Shoa wieder größere Aufmerksamkeit durch Prozesse gegen NS- Verbrecher. Die SED klagte dabei fast ausschließlich den Westen an und kaum die eigene Bevölkerung.

In der Schule wurde das Thema selten direkt angesprochen, allerdings wurden Bücher wie „Nackt unter Wölfen“ u.ä. behandelt und man sprach im Unterricht über den Völkermord im Zuge des NS-Regimes.[4]

Abschließend kann man sagen, dass die DDR den Holocaust nicht unbedingt öffentlich diskutierte, aber auch nicht völlig unterdrückt oder gar geleugnet hat. Sie nutzten das Thema hauptsächlich, um sich selbst besser darzustellen. Bei Interesse fand man Informationen über die Shoa, da jüdische Autoren, die über sie schrieben, verlegt wurden und die Schule in groben Zügen darüber aufklärte. Die DDR propagierte sich selbst als antifaschistischen Staat und behauptete, dass der Antisemitismus bei ihnen ausgerottet sei.


[1] Vgl. Sebastian Voigt, URL: https://www.bpb.de/internationales/asien/israel/45014/ddr-israel (Besucht am 22.10.2020)

[2] Wolfgang Benz, URL: https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/246359/das- israelbild-der-ddr-und-dessen-folgen (Besucht am 22.10.2020)

[3] Alexander Walther, URL: https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/293937/keine- erinnerung-nirgends-die-shoah-und-die-ddr (Besucht am 21.10.2020)

[4] Vgl. Andreas Fritsche, URL: http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Rassismus/antisemitismus- ddr.html (Besucht am 22.10.2020)