Gedenkstätten

Erinnerung an das Attentat in der Bundesrepublik

  • In den drei von uns untersuchten „Olympiabüchern“ nimmt das Attentat einen großen Platz ein.[1] Aus allen Berichten spricht der Schock über das grausame Attentat.
  • Erstaunlich ist, dass sich die Bundesrepublik mit dem Erinnern an das Attentat sehr schwer tat.
  • Im November 1972 wurde eine Gedenktafel am Ort des Geschehens Connollystraße 31 eingeweiht. In Israel war man entrüstet, da einige Namen falsch geschrieben waren.[2] Die Israelitische Kultusgemeinde München und der Zentralrat der Juden tauschten das Denkmal aus.
  • 1973 wurde das Appartementhaus an die Max-Planck-Gesellschaft als Gästehaus übergeben.
  • Aus verschiedenen Gründen wurde der Mantel des „Nicht-Erinnerns“ über das Attentat gelegt.
  • Auch an Jahrestagen wurde nicht an den 5.September 1972 erinnert.
  • Am Ende der 80er und in den 90er Jahren änderte sich im nun vereinten Deutschland die Erinnerungskultur und damit auch das Erinnern an das grausame Geschehen im Olympiadorf.
  • 1995 wurde am Übergang zwischen Olympiasportstätten und Olympischen Dorf auf der „Hans-Braun-Brücke“ ein „Klagebalken“ eingeweiht.
  • 1999 kommt ein weiterer Erinnerungsort hinzu: Der Ort, an dem die meisten Geißeln starben, auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck.
  • 1997 wurde erstmals eine Gedenkfeier auf dem Fliegerhorst durchgeführt.
  • Zum Jahrestag am 5.9.1999 wurde dann neben dem Eingang zum Fliegerhorst die Gedenkstätte eröffnet.

„Zwölf gebündelte Flammenstrahlen erinnern an die zwölf Söhne Jakobs und an die daraus erwachsenen zwölf Stämme Israels. Zwölf gebündelte Flammenstrahlen erinnern aber auch an die insgesamt zwölf Opfer des Olympia-Attentates. Nicht zuletzt erinnern sie natürlich an die Olympische Flamme, das Symbol der Spiele im Heiligen Hain der Griechen. Das Lodern der Heiligen Flammen bedeutete für sie Gewaltlosigkeit und das Ruhen jeglicher Feindseligkeiten“, so der Künstler Hannes L. Götz, der im Auftrag des Landkreises Fürstenfeldbruck die Gedenkstätte zur Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse am 5. September 1972 in München und Fürstenfeldbruck geschaffen hat. Im Zentrum des Kunstwerks steht die Annäherung an jüdisches Brauchtum. Die Granitschale nimmt Steine und Gebetszettel auf und erfüllt so die Funktion einer Klagemauer. Die Schale ruht auf einem Stahlkorsett, das vom Emblem des Staates Israel, dem siebenarmigen Leuchter (Menorah) inspiriert ist. Als christliches Symbol steht der Leuchter zugleich für den Neuen Tempel und die sieben Gaben des Heiligen Geistes, soll doch das Mahnmal zugleich die Erinnerung an den getöteten Polizisten christlichen Glaubens wach halten.“[3]


  • Der Landkreis Fürstenfeldbruck führt seitdem jährlich eine Gedenkveranstaltung durch.
  • Zum 40.Jahrestag des Attentats wurde eine große Gedenkveranstaltung mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer von 1972 durchgeführt.
  • Auch ist ein weiterer Ausbau geplant. So soll bis zum 50. Jahrestag 2022 ein digitaler Erinnerungsort am authentischen Ort, dem Alten Tower auf dem Flugfeld entstehen.[4]

Es ist etwas makaber, aber das Mahnmal steht an der „Zenettistraße“.
Emil Zenetti (1883-1945) war ein General der Flakartillerie. Er war u.a. an Massakern an Anhängern der Münchner Räterepublik 1919 maßgeblich beteiligt. Gleichzeitig zwang er während des Zweiten Weltkrieges KZ-Häftlinge zum lebensgefährlichen Entschärfen von Blindgängern. Über die Benennung der Straße gibt es seit Jahren Streit.[5] Erreicht wurde bisher nur, dass am Straßenschild ein Hinweis angebracht wurde.

  • Am 6.September 2017 eröffneten die Staatsoberhäupter von Israel und Deutschland, Rivlin und Steinmeier, den „Erinnerungsort Olympia-Attentat“ im Olympiapark in München. Dieser Erinnerungsort informiert multimedial über Verlauf und Opfer des Attentats.

Gedenkstätte als „Einschnitt“[6]

Die Architekten Brückner und Brückner haben sich damit 2014 gegen acht internationale Konkurrenten durchgesetzt.

Es sei mehr als eine Gedenkstätte, es sei Erinnerung und Information in einem, so Peter Brückner. Den Opfern ein Gesicht zu geben, den Hinterbliebenen gerecht zu werden und auch das Geschehen insgesamt abzubilden und einzuordnen, das sei die architektonische Aufgabe für Brückner und sein Team gewesen.

Der „Schwarze September“ ist für Brückner der Nullpunkt des internationalen Terrorismus. Weil die Ereignisse dermaßen einschneidend sowohl für die Gesellschaft, als auch für die Opfer und Hinterbliebenen waren, hat Brückner die Gedenkstätte als „Einschnitt“ konzipiert.

Standort ist der Lindenhügel im Olympiapark, unweit des sogenannten Pressehügels. Er habe deshalb so eine besondere Strahlkraft, weil von hier aus alle Punkte, die beim Attentat entscheidend waren, zu sehen sind.

Wichtig ist den Machern, dass die Gedenkstätte kein Museum ist, sondern 24 Stunden am Tag öffentlich und kostenlos zugänglich ist.


[1] Die Olympischen Spiele 1972 München-Kiel-Sapporo, Werner Schneider, Bertelsmann, 1972, S.1-12 (großer, umfangreicher Bericht)

Die Olympischen Spiele, Ernst Huberty, Willy B.Wange, Freiburg, 1972, S.177-183

München 72, Das Olympiawerk der Stiftung Deutsche Sporthilfe, München, 1972, S.13/14, 24/25, 32-35

[2] München 1972, Kay Schiller, Christopher Young, Göttingen, 2012, S.356

[3] https://www.lra-ffb.de/landkreis-politik/kultur/gedenkstaette-olympia-attentat/gedenkstaette

[4] Faltblatt des Landkreises Fürstenfeldbruck zur Erinnerung an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft, Fürstenfeldbruck, 2012

[5] https://www.sueddeutsche.de/muenchen/technische-universitaet-vier-maenner-mit-umstrittener-biografie-1.3831629

[6]https://web.archive.org/web/20171013082916/http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/gedenkstaette-olympia-attentat-eroeffnung-100.html