Die Ausstellung

„We, the six million“ ist eine Wanderausstellung der RWTH Aachen, die seit 2018 durch zahlreiche Schulen im Rheinland tourt, um Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Ausmaße des Holocaust zu geben, der im gewöhnlichen Schulunterricht oft schwer fällt. Im Mittelpunkt stehen dabei persönliche Schicksale und Biografien von Verfolgten, die wie die Schülerschaft aus dem westlichen Rheinland stammen und dadurch eine Atmosphäre der Nähe schaffen, an die kein Schulbuch herankommt. Es handelt sich um einzelne Geschichten, die für sich stehen und tiefe Einsichten in die persönlichen Lebenswege der Opfer geben, aber auch zeigen, dass der Holocaust ein Menschheitsverbrechen war und keineswegs nur wenige grausame Schicksale nach sich gezogen hat. In der Ausstellung „We, the six million“ sind die Todesopfer Menschen; Menschen, die eine Stimme erhalten, um auch zu nachfolgenden Generationen zu erreichen und die Geschichten weiterzugeben, damit diese sie überdauern.

We, The Six Million Murdered People Speak […] / We, the six million Jewish martyrs raised our silenced voices/ Incessantly and speak to you and you and you“

„Wir, die sechs Millionen ermordeten Menschen sprechen […]/ Wir, die sechs Millionen jüdischen Märtyrer, erhoben unsere zum Schweigen gebrachten Stimmen/ unablässig und sprechen zu dir und dir und dir.“

Auszüge aus einem Gedicht von Dr. Davin Schönberger, dem die Ausstellung ihren Namen zu verdanken hat; den vollständigen Originaltext finden Sie hier.

Jede Biografie ist auf zwei Roll-Ups festgehalten, die neben Fakten, Beschreibungen und Bildern auch persönliche Erinnerungen und Zitate beinhalten. Die beiden Roll-Ups korrespondieren im Wesentlichen miteinander, erzählen aber doch zwei Teilgeschichten, die durch eine nicht nur symbolische Zäsur getrennt sind. Zumeist bewegt sich diese inhaltliche Zäsur um das Jahr 1938, in dem der Antisemitismus und die Verfolgung spätestens ab der Reichspogromnacht vom 09.10. November eine ganz neue Schreckensdimension erreichen. Für die Verfolgten, deren Lebensgeschichten auf den Roll-Ups erzählt werden, beginnt eine Zeit der Flucht, Emigration, Vertreibung und Neuorientierung.  Dass die meisten Opfer der Shoah, deren Geschichten in „We, the six million“ erzählt werden, überlebt haben und manchmal einen Neuanfang wagen konnten, hängt damit zusammen, dass die Ausstellung vorwiegend auf den sogenannten Entschädigungsakten basiert, die sich an die Überlebenden, in manchen Fällen auch deren Angehörige richteten.

Aber es gibt neben den zahlreichen Emigranten, die Deutschland 1938 verließen, auch Ausnahmen wie den Odenkirchener Manfred Leven, der die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald überlebte und nach Odenkirchen zurückkehrte.