Gegen das Vergessen

Rassismus und Antisemitismus heute

Die gesamte Projektarbeit rund um die Ausstellung „We, the six million“ gilt der Erinnerung an die zahlreichen Einzelschicksale, die durch diesen Prozess Namen und nicht nur Zahlen in irgendwelchen Statistiken bekommen sollen. Seien es die Projektarbeiten zu Manfred Leven und Martha Steuber, gefühlvolle Nachrufe der Religionskurse 8 und 9, oder die Stolperstein-Aktionen, die den Blick zurück in die Vergangenheit, die auch unsere Vergangenheit ist, werfen.

 Was wir allerdings oft vergessen: Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören unweigerlich zusammen. Wir können nicht in die Gegenwart und Zukunft schauen, wenn wir die Vergangenheit nicht aufarbeiten, ebenso können wir aber auch nicht ausschließlich den Blick in der Vergangenheit verweilen lassen und die Augen vor der Gegenwart verschließen, in der Rassismus und Antisemitismus auch in unseren Reihen wieder erstarken. Vergangenheit vergeht nicht. Dass wir auch heute, vielleicht besonders heute achtsam sein müssen, um aus der Vergangenheit zu lernen, zeigen nicht zuletzt die Projektarbeiten des Q1-Deutsch-LKs vom Frau Laule zu „Antisemitismus heute“ und des EF-Sowi-Kurses zu „Rassismus in der Gegenwart„. Letztere Arbeit finden Sie hier.

Ein konkretes und erschreckendes Beispiel für den wieder aufkeimenden Antisemitismus in nächster Nähe ist die Schändung des Grabs von Manfred Leven, der sich unsere Schulgemeinde entschlossen entgegenstellt. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Am Ende des Projekts ist auch die Resonanz der mitwirkenden Schülerinnen und Schüler mehr als deutlich, die ihre Gedanken noch einmal festgehalten haben:

Wir können die Vergangenheit nicht rückgängig , die Gräueltaten unserer Vorfahren nicht ungeschehen, das Menschheitsverbrechen durch nichts auf dieser Welt wieder gut machen und nicht entschuldigen; das Grauen der Vergangenheit lastet auch auf unseren Schultern, wir können uns seiner Last nicht entziehen. Aber wir können offen mit unserer kollektiven Vergangenheit umgehen und vor dem Vergessen mahnen, die Stimmen, die Botschaft weitergeben. Und darum geht es im Projekt „We, the six million“: Denen eine Stimme zu geben, die zum Schweigen gebracht werden sollten.

Wir können und dürfen unsere Augen und Ohren nicht vor der Vergangenheit verschließen, aber ebenso wenig vor der Gegenwart. Mögen Manfred Leven, Martha Steuber, die Menschen hinter den Stolpersteinen und die Zeitzeugen, die unermüdlich gegen das Schweigen und Vergessen kämpfen, unsere Augen, unsere Ohren und unser Herz zum Stolpern bringen.

Es ist unsere Verantwortung, auch den anderen Verfolgten, Ermordeten einen Namen, eine Stimme zu geben. Es ist unsere Verantwortung, offen und respektvoll gegenüber denjenigen zu sein, die zum Schweigen gebracht werden sollten und doch sprechen. Es ist unsere Verantwortung, unsere Erinnerungskultur zu pflegen und aufzuarbeiten.

Es ist unsere Verantwortung, zu Brückenbauern zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu werden. Denn:

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah, aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

Max Mannheimer

Wir machen weiter – auch nach der Ausstellung!