Izbica / Belzec

Mittwoch, den 26.02.2020

Text von Elischa Serifov und Hanza Qafleshi

Der Tag begann mit der Fahrt nach Izbica, wo wir gegen 10 Uhr angekommen sind.

Jonah Christen

Es gab eine begleitete Führung und wir wurden aktiv mit einbezogen.

So wurden uns z. B. verschiedene Bilder gezeigt, welche die Menschen und ihre Lebensumstände zeigten, zudem erhielten einige Schüler kurze Texte zum Vorlesen, welche die damaligen, schrecklichen Umstände nochmal verdeutlichten.

Unter dem Vorwand, dass Zwangsarbeiter benötigt werden, wurden die Juden nach Izbica deportiert.
Der Ort lag geografisch sehr gut und da dort bereits ein Großteil Juden lebte (ca. 7 000), bot es sich an, dort ein Lager zu errichten.

Sie wurden auf engstem Raum in Waggons nach Izbica gebracht, wo sie dann jeweils mit rd. 30 Juden in einem Raum untergebracht waren.

Ihnen wurden ihre letzten Habseligkeiten, wie z. B. Pass, Klamotten, etc. abgenommen und dann aufgefordert darauf zu warten, dass sie in andere Räumlichkeiten mit 1 – 2 Haushalten untergebracht werden.

Die Hölzernen Teile des Hauses könnten noch aus der Zeit stammen, als Izbica ein Ghetto war.

Da es sich bei Izbica aber um ein Transit-Ghetto handelte, und die Juden von hier aus in die Vernichtungslager (wie z. B. Belzec und Sobibor) deportiert wurden, zog sich die Warterei manchmal Tage- bis Wochenlang hin.
Zeitweise war es in den Räumlichkeiten so eng, dass es nicht einmal Platz gab sich hinzusetzen und sie tagelang Mensch an Mensch stehen mussten.

Es wirkt so unglaubwürdig, dass Menschen anderen solche Grausamkeiten antun können, dass es wirklich schwer zu begreifen ist.

Wir haben anschließend noch den jüdischen Friedhof besichtigt.

Unter den Resten des Jüdischen Friedhof liegen die Sterblichen Überreste der Juden die dort erschossen worden sind. Es gibt kein richtiges Denkmal.

Hier hat ein Überlebender des Ghettos, Grzegorz Pawlowski, noch zu seinen Lebzeiten einen Grabstein für sich aufgestellt, damit sichergestellt ist, dass er dort beerdigt wird, wo auch seine Famlie, welche im Lager gestorben ist, liegt.

Für die Juden haben Grabsteine eine sehr hohe, beinahe heilige Bedeutung, was die Nazis zum Anlass nahmen, die Juden selbst über den Tod hinaus zu schänden, indem sie die Grabsteine entfernten, zweckentfremdeten (z. B. für den Bau des Gestapo-Gefängnisses verwendet) oder sie einfach nur achtlos übereinanderstapelten.

Diese in meinen Augen vollkommen unnötige Demütigung über den Tod hinaus ist mir so unverständlich und unnötig grausam.

Anschließend hatten wir eine Pause in Zamosc und haben den Ort kurz besichtigt, danach ging es zur Gedenkstätte in Belzec.

Der Marktplatz von Zamość.

Am 17. März 1942 traf der erste Zugtransport mit Juden aus dem Ghetto Lublin in Belzec ein.

Auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers, wurde ein Denkmal erbaut.

Hier wurden sie in die Duschkammern geschickt und mitgeteilt, dass sie beim Duschen tief inhalieren müssen, um so besser vor Krankheiten geschützt zu sein.
Sie mussten sich vollständig entkleiden und ihre Haare wurden abrasiert.

Ca. 500 Juden wurden damit beauftragt die Kleidung, Haare und später auch die Menschen zu entsorgen.

Die erste Phase dieser gezielten Vernichtung ging bis ca. Mai 1942, danach mussten sie umbauen, da sie festgestellt hatten, dass die Kapazität der Gaskammern nicht ausreichend war.

Es wurden zwei weitere Gaskammern und Entkleidungsbaracken gebaut.

Die zweite Phase ging dann bis Dezember 1942, insgesamt wurden in der Zeit 500 000 Menschen getötet.

Diese große Zahl führte dazu, dass Massengräber ausgehoben wurden, insgesamt waren es 33 dieser Massengräber mit jeweils 1 m Höhe.

Durch die Menge der Leichen und der Tatsache, dass durch die Verwesung Flüssigkeiten an den Boden abgegeben wurden, hielt die Erde nicht zusammen und die Gräber zerfielen.
Es wurde mit eigenen Betonmischungen experimentiert um sie zu stabilisieren, aber da selbst das nicht hielt, begann man damit die Leichen zu verbrennen.

Die Leichen wurden auf Schienen in die Verbrennungsöfen transportiert. Die Verbrennungen dauerten bis März 1943 an.

Damit dieses Vorgehen nicht öffentlich einsehbar war, gab es hohe Stacheldrahtzäune und dichte Baumreihen vor den Lagern.

Für mich eines der schlimmsten Aspekte dieser Lager ist auch, dass mit dem kleinen Funken Hoffnung den die Juden noch hatten gespielt wurde, indem ihnen vorgegaukelt wurde, dass sie in ein Arbeitslager kommen würden, und so ihre Lebensumstände etwas verbessern könnten. Wenn die Juden das Lager betraten sahen sie Blumen und kleine Häuser, vor den Duschen gab es ein Orchester welches spielte um die Schreie aus den Gaskammern zu übertönen, all diese Kleinigkeiten gaben einen Funken Hoffnung, der dann im Tod endete.

Es ist erschreckend und schwer nachzuvollziehen, wie Menschen solche Unmengen anderer Menschen töten können, nur weil sie einer anderen Religion angehören und in ihren Augen minderwertig waren.

Es liest sich so schnell, die Zahl „500 000 ermordete Juden in Phase 2“, aber wenn man sich dann vorstellt, dass hinter dieser Zahl echte Menschen, Familien, Kinder stehen, dann raubt es einem den Atem und ist einfach schwer zu greifen, ohne von Emotionen überrollt zu werden.

Anschließend hatten wir noch die Möglichkeit in eine nachgestellte Gaskammer zu gehen.Das Gefühl mit dem vorher erfahrenen dort reinzugehen war unbeschreiblich.
Diese Massivität und Stille in diesem Raum war schlimm und allein die Vorstellung, dass in so einem Raum so viele Juden dicht an dicht gedrängt den Tod fanden nimmt einem die Luft zum Atmen.

Dieser Tag ließ uns mit vielen, zum Großteil erdrückenden Eindrücken zurück und es ist wirklich schwer, Worte zu finden um die Emotionen von diesem Tag zu beschreiben.Ich denke geschockt kommt ziemlich nahe, v. a. da ich mich vorher nie wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt habe und es m. M. n. auch zu wenig in der Schule thematisiert wird. Es war emotional sehr anstrengend, aber ich bin dankbar, dass wir diese Eindrücke sammeln durften.