Majdanek

Donnerstag, den 27. Februar 2020

Text von Meryem Ece

Gegen 8 Uhr sind wir an der Gedenkstätte in Majdanek angekommen.
Eine nette Dame hat uns auf unserem Rundgang durch das Lager begleitet und uns den Ort nähergebracht.


Wir erfuhren, dass das Lager von 1941 bis Juli 1944 in Betrieb war.

Das Video visualisiert das KZ mit Ausschnitten aus dem Flugsimulator von Microsoft und Google Earth. Die Aufnahmen wurden selber angefertigt.

Bei unserer Ankunft ist uns als erstes ein großes Denkmal aufgefallen, das „Monument of struggle“.

Anschließend ging es zum eigentlichen Konzentrationslager, dort haben wir erfahren, dass der Baubefehl für dieses Lager von einem SS-Oberführer am 22. September 1941 erteilt wurde.

Nach der Errichtung der Sicherheitsanlagen verlegten die Deutschen einige hundert sowjetische Gefangene in das Konzentrationslager.

Ab diesem Moment stiegen die Zahlen der Internierten stetig an, was aufgrund der Enge zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen und einer daraus resultierenden Fleckfieberepidemie führte. Nur wenige der Insassen haben diese Epidemie überlebt.

1942 wurde Majdanek zu einem der Hauptschauplätze für die Vernichtung von Juden, mit dem erklärten Ziel, alle Juden zu ermorden (s. „Endlösung“).

Das Lager hatte eine Fläche von 250 Hektar und war von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Insgesamt gab es in Majdanek sieben Gaskammern, in denen Kohlenmonoxid in Verbindung mit dem Insektenvertilgungsmittel Zyklon B zum Einsatz kam.

Zyklon B hergestellt von der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH.

Auf dem Gelände stehen immer noch die fensterlosen Baracken in denen die KZ-Insassen schliefen, nur durch die Dachluken kam ein bißchen Tageslicht ins Innere.

Bis zu 1 000 Häftlinge mussten sich eine Baracke von ca. 360 Quadratmeter Fläche teilen.
Als wir die eng aneinandergereihten Betten gesehen haben, konnte man sich gut vorstellen, wie eng und bedrückend es gewesen sein muss, dort eingepfercht gewesen zu sein.

In einigen Baracken standen Käfige, die mit den Schuhen der ermordeten Menschen gefüllt waren.
Für uns war das ein sehr emotionaler Moment, da dieser Anblick sehr gut veranschaulichte, dass es sich eben nicht nur um bloße Zahlen und Fakten handelt, sondern reale Menschen und Schicksale dahinter stehen.
Durch diesen Anblick wurde sehr gut deutlich, wie viele Menschen und v. a. auch Kinder ermordet wurden.

Blick in die Baracke mit den Schuhen der ermordeten.

Der Rundgang führte nun zu einer asphaltierten Straße, welche an den ehemaligen Sicherungsanlagen aus einem doppelten Zaun vorbeiführten.
Etwas weiter entfernt, sah man ein weiteres Denkmal, das einer flachen Schale ähnelte, deren Deckel angehoben ist.

Das Denkmal war sehr groß und gefüllt mit der Asche ermordeter Menschen.

Das Denkmal „Mausoleum für die Opfer des Faschismus“ Es hat einen Durchmesser von rund 20 m und ist gefüllt mit der Asche ermordeter Menschen.

Als nächstes ging es zu einer Holzbaracke mit einem steinernen Schornstein, der mehrere Meter über das Dach hinausragt.
Im Innern war es düster. Wir erfuhren, dass dies der „Baderaum“ war, in dem der Chef sein Bad nahm, während nebenan in den Öfen das Feuer brannte.

In diesen sieben Brennöfen konnten jeden Tag bis zu 1 000 Leichen verbrannt werden.

Bevor die Insassen vergast und verbrannt wurden, durften sie in einen Duschraum, was ihnen sonst nur selten gewährt wurde, und wenn dann nur ohne Seife und Handtüchern.
Dieses Duschen vor der Ermordung diente dazu, eine Normalität und Sicherheit zu vermitteln, wodurch sich eine Panik unter den Insassen vermeiden ließ.

Als der begleitete Rundgang beendet war, konnten wir uns alles nochmal in Ruhe und in unserem eigenen Tempo anschauen und alles erfahrene etwas sacken lassen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass es einer der emotionalsten und anstrengendsten Tage unserer Reise war, da wir zum ersten Mal alle theoretischen Informationen die wir zu der Thematik hatten, greifbar und real vor uns sahen.

Die Atmosphäre in diesem Lager und die noch erhaltenen Baracken, Betten, Schuhe, etc. brachten uns das Leid und die grausame Realität dieser Zeit viel näher, als dies vorher der Fall war.

Aktion Erntefest / Aktion Reinhardt

Am Mittwoch, den 03. November 1943, rollen zwei Lautsprecherwagen der Propagandaabteilung der NSDAP aus Lublin, in ein Feld des Konzentrationslagers Majdanek.

Ein Lautsprecherwagen der faschistischen NSDAP.
Von Bundesarchiv, Bild 183-R97782 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5368804

Der Tag beginnt für die Insassen mit lauter Schlager- und Tanzmusik, welche aus diesen Lautsprechern dröhnt.

Die Musik war so laut, dass sie sogar im ca. 5 km entfernten Lublin noch zu hören war.

Die jüdischen Männer, Frauen und Kinder werden in langen Kolonnen in Richtung der Musik abgeführt.

Verhaftung jüdischer Männer in Baden-Baden im November 1938.
Von Bundesarchiv, Bild 183-86686-0008 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5431739

Jüdische und nichtjüdische Häftlinge, sowie Frauen und Männer wurden getrennt.
Von den Lageraufsehern wurde eine Belohnung von je 2 l Schnaps und 200 Zigaretten für jeden Soldaten ausgesetzt, der sich an der Erschießung der Juden beteiligte.
Da dies für die damalige Zeit ein sehr großzügiges Angebot war, beteiligten sich viele Soldaten an der Erschießung der Insassen, welche von der NS „Aktion Erntefest“ genannt wurde.
Den Soldaten wurde aber auch die Möglichkeit gegeben sich zu weigern an den Erschießungen teilzunehmen, dies wurde aber von keinem in Anspruch genommen.

Nachdem die Insassen in der L-Baracke (L=Liquidierung) ihre Kleidung ausgezogen haben, wurden sie auf 5 sog. Häftlingsfeldern verteilt, welche mit Zäunen umgeben waren.

Anschließend wurden die Juden von Polizei- und SS-Gruppen von den Häftlingsfeldern zu einem Erschiessungsgraben getrieben und aufgereiht.
Anschließend zwang man sie, sich auf die im Graben liegenden toten Juden zu legen, bevor sie ebenfalls erschossen wurden.

Erschiessungsgraben in Majdanek.

Diese Erschießungsgräben waren in den Tagen vorher von den Juden selbst gegraben worden, unter dem Vorwand, dass dies sog. „Spitzlerschutzgräben“ werden sollten, die bei einem Angriff tausenden Leuten Schutz bieten könnten.

Während der ganzen Erschiessungsaktion lief die laute Schlager- und Tanzmusik und die Soldaten betranken sich währenddessen mit Wodka.

Nach 2 Tagen wurde die Aktion beendet, nachdem knapp 43 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder umgebracht worden waren.

Die gesamte Aktion Reinhardt, die das erklärte Ziel hatte, alle Juden auszulöschen, gehört zu den grausamsten Verbrechen der Nazi-Zeit.

Ihren Namen bekam diese Aktion nach dem SS-Offizier Reinhard Heydrich, sie steht für die Auslöschung von fast 2 000 000 Menschen im gesamten Grenzgebiet durch die SS, und das in kürzester Zeit.

Einige jüdische Frauen und Männer wurden vorerst verschont, sie mussten nach der Aktion Reinhardt die Kleider der Leichen sortieren und die sog. „Enterdungsaktion“ durführen, d. h. die Leichen aus den Gräbern holen und verbrennen.

Tagelang lag ein Verwesungsgestank über dem Lager.

Nach Beendigung der wochenlang dauernden Entrümpelung der Leichen, wurden auch die restlichen Juden erschossen.

Es sind unvorstellbare Verbrechen, die während dieser Aktion Reinhardt durch Deutsche in Polen verübt wurde und wir finden es falsch, dass diese kaum Erwähnung bei öffentlichen Gedenkfeiern, oder in Berichterstattungen aus dieser Zeit findet.

Freitag, den 28. Februar 2020

Heute ist leider unser letzter Tag in Polen, dementsprechend stand erstmal Aufräumen und Frühstücken auf dem Plan.
Danach sind wir, wie am Tag zuvor, zur Gedenkstätte gefahren.

Vor Ort hatten wir die Möglichkeit uns alles nochmal in Ruhe anzuschauen, aber hauptsächlich haben wir die Zeit genutzt uns dort individuell in verschiedene Schwerpunkte zu vertiefen.

Uns standen viele Unterlagen und Informationen zur Verfügung, die uns dabei halfen uns intensiver mit den Aspekten auseinanderzusetzen, die uns jeweils besonders interessierten.

Nach ca. 2 Stunden haben wir uns dann gegenseitig unsere Recherchen präsentiert und von den anderen Feedback bekommen.

Dadurch hatten wir die Möglichkeit, auch aus den Themen unserer Mitschüler Nutzen zu ziehen.

Nach den Präsentationen haben wir uns versammelt und in einen „Kinoraum“ begeben, wo wir die Dokumentation „Die Welt hinterm Stacheldraht“ angeschaut haben.

Diese Dokumentation basiert auf einer wahren Begebenheit: eine ältere Dame erzählt von ihrem Leben im Konzentrationslager, dem Leben der Soldaten und dem der mitinternierten Lagerinsassen.

Dies hat uns dabei geholfen, die Geschichte des Geländes, welches wir sowohl gestern als auch heute besichtigt haben, zu verstehen, Unklarheiten zu beseitigen und die Situation zumindest etwas besser nachvollziehen zu können.

Das Video an sich war sehr berührend, da man die Emotionen der betroffenen Dame klar erkennen und sich etwas in ihren Schmerz hineinversetzen konnte.

Ein kleiner Lichtblick war die Tatsache, dass die Dokumentation auch gezeigt hat, wie die Dame und einige der anderen internierten Juden dem Lager entkommen konnten, auch wenn es nur sehr wenige waren.

Ein Punkt, der uns geschockt hat und den wir gar nicht nachvollziehen konnten, war der Fakt, dass viele, bzw. eigentlich die meisten Nazis, selbst der höheren Ränge, straffrei davongekommen sind.

Anschließend haben wir uns über die Dokumentation ausgetauscht und unsere Gedanken dazu miteinander geteilt.

Vor der Abreise haben wir noch gemeinsam zu Abend gegessen und anschließend die zurückliegenden Tage ausgewertet und zusammengefasst.

Alles in allem können wir sagen, dass unsere Reise eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle war und uns nachdenklich gestimmt hat.

Wir sind für diese fünftägige Reise sehr dankbar, da wir viel über diese Zeit, die Menschen, dem Leben und dem Leiden der Juden während des NS-Regimes gelernt haben und darüber nun auch anderen Menschen berichten können.

Dennis Rütters

Ein klares Fazit aus unseren Erfahrungen:


Wir dürfen nicht zulassen, dass so etwas je wieder passiert!