Unser Projekt

Wir sind eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Städtischen Gymnasiums Herten in verschiedenen Jahrgangsstufen der Oberstufe und einem Schüler des letztjährigen Abiturjahrgangs.

Im Laufe des letzten Schuljahres haben wir heftig über den sich in unserem Land ausbreitenden Rassismus gestritten, der sich vor allem gegen Flüchtlinge richtet. Das Stichwort Rassismus erinnert viele an die Nazi-Diktatur mit ihrer rassistischen, antisemitischen, Menschen verachtenden Politik. Darüber haben wir natürlich im Unterricht erfahren. Allerdings hatten wir das Gefühl, speziell über die Erziehung der Jugend und die genauen Aufgaben von Schule in der NS-Zeit viel zu wenig zu wissen. Unsere Lehrerin zeigte uns die Aufzeichnung eines Bühnenstücks, das vor 20 Jahren im Rahmen von Projekttagen an unserer Schule aufgeführt worden war. Darin spielen Schülerinnen und Schüler des StGH eine Unterrichtsstunde „Rassenkunde“. Unser Interesse war geweckt und wir begannen, uns intensiver mit der damaligen rassisch-völkischen Erziehung in der Schule und in der gesamten Gesellschaft zu befassen. Dabei entstand unser Wunsch, auch das Fach Rassenkunde sowie möglicherweise weitere Fächer szenisch in Form von Unterricht darzustellen. Das war der Beginn unseres Projektes. Und es weitete sich aus.

Portrait

Reichsparteitag 1935 „Großer Appell“

Wir haben die folgenden Aspekte bearbeitet und in unterschiedlichen Darstellungsformen verpackt: In sachlichen Texten, Bildern, Dialogen, Filmen und einer Ausstellung. Wir hoffen so, das Interesse von mehr Jugendlichen an diesem Thema zu wecken. Mögen sich Leser und Betrachter angeregt, informiert, vielleicht auch betroffen fühlen – dann hätten wir viel erreicht.
Wir fanden heraus, dass unter der Führung Adolf Hitlers Rassismus in Form von Rassenkunde und Rassenhygiene zum Fundament des völkischen Staates gemacht wurde. Alle Bereiche der Erziehung in Schule, Staat und Elternhaus sollten davon durchdrungen werden mit dem Ziel, eine neue kämpferische, stahlharte reindeutsche Jugend heranzuziehen.
Wir lasen im Stadtarchiv Dokumente über unsere damalige „Oberschule für Jungen“ und viele ihrer Schülerinnen und Schüler. Noch interessanter aber fanden wir, im Archiv unserer Schule Abituraufsätze und Arbeiten in weiteren Fächern aus den Jahren der NS-Zeit zu lesen und zu bearbeiten.
Wir wollten wissen, was war das denn für ein Leben für Jugendliche in dieser Diktatur, und wir fragten uns, wie diese massenhafte “Ansteckung“ für NS-Ideen gelingen konnte.
Wir haben verschiedene Varianten gefunden, was Jugendliche aus dieser „neuen Zeit“ gemacht haben, wie sie damit zurecht gekommen sind.
Wir haben uns immer wieder gefragt, wie die beispiellosen Verbrechen unserer Vorfahren möglich wurden. Heute haben wir das große Glück, die zerstörerischen und mörderischen Ergebnisse der damaligen Politik zu kennen und beurteilen zu können – das konnten die Jugendlichen damals, vor mehr als 80 Jahren, alles so nicht wissen, was natürlich keine Entlastung und Entschuldigung bietet. Viel zu viele waren unmittelbar betroffene Opfer und haben diese 12 Jahre Nazi-Herrschaft nicht überlebt. Manche haben die Lage klug analysiert und die Bedrohung für alle Menschen verstanden und sind, wenn sie konnten, aus ihrer Heimat geflohen. Manche, die das Unheil ahnten, haben sich angepasst, sind innerlich emigriert. Aber ohne die vielen, die überzeugt waren, überzeugt wurden und aktiv wie passiv mitgemacht haben, wäre es nicht zu dieser menschlichen Katastrophe, zu Krieg, Zerstörung und unermesslichem Leid unzähliger Menschen, auch in Deutschland, gekommen. Aber wir ahnen, dass nicht Wenige innerlich zerrissen waren.

Damals waren Rassismus und Antisemitismus Staatsdoktrin. Menschen, die heute so und ähnlich denken, haben sich selbst dafür entschieden. Dadurch wird Rassismus aber nicht weniger hässlich und unmenschlich.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir unsere Recherchen und Darstellungen niemals zustimmend, sondern immer kritisch und ablehnend verstanden wissen wollen.
Denn: Geschichte provoziert zur Auseinandersetzung und zum Widerspruch.
Damals und heute.