Todesmarsch – Definition


TODESMARSCH – Definition

Laut der Encyclopedia of Genocide and Crimes Against Humanity, Dinah Shelton, Macmillan Reference, 2005, S. 226 (ISBN 0028658485) definiert sich TODESMARSCH folgendermaßen (Ins Deutsche übersetzt):

Überblick über die Routen der Todesmärsche in und aus Deutschland und Österreich im April/Mai 1945 (©TOSDienste Deutschland e.V.)

„Als Todesmarsch werden in der Konflikt- und Gewaltforschung erzwungene Märsche von Personengruppen bezeichnet, bei denen der Tod der Marschierenden billigend in Kauf genommen wird oder sogar das Ziel ist. Dabei kann eine hohe Todesrate durch Gleichgültigkeit der Aufseher gegenüber Überanstrengung und mangelnder Versorgung der Marschierenden mit Verpflegung, Kleidung und Unterkunft oder auch durch gezielte Gewalt gegen die Teilnehmer verursacht werden.

 

Für den deutschen Soziologen Wolfgang Sofsky (*1952) sind TODESMÄRSCHE
„eine langsame Form der kollektiven Vernichtung […] und stellen eine Sonderform der Deportation dar, bei der das Ziel nicht primär die Ankunft der Deportierten am Bestimmungsort, sondern deren Ableben ist.“
• „In der Reinform ist der Todesmarsch sogar völlig ziellos.“
• „Die direkt gegen die Marschierenden gerichteten Gewalthandlungen werden auf Gewaltexzesse, ausgelöst durch die absolute Macht der Aufseher über die Marschierenden, zurückgeführt.

 

Todesmärsche werden in der Geschichts- und Konfliktforschung allgemein als Kriegsverbrechen und Mittel ethnischer Säuberungen oder des Völkermordes eingeordnet.

 

Todesmärsche sind ein Phänomen im Dritten Reich, vor allem gegen Ende des Krieges, als die Häftlinge etlicher Konzentrationslager evakuiert, d. h. in großer Zahl gezwungen wurden, unter unerträglichen Bedingungen und brutalen Misshandlungen über weite Entfernungen zu marschieren, wobei ein großer Teil von ihnen von den Begleitmannschaften ermordet wurde.

Insgesamt wurden 500.000 bis 750.000 Gefangene in den Monaten Januar bis Ende April 1945 zu den Todesmärschen gezwungen. Unterwegs starben 200.000 bis 350.000 Menschen.

Die Bezeichnung Todesmarsch wurde im Nachhinein von ehemaligen Betroffenen, von Opfern, von Augenzeugen und von Historikern unterschiedlich als „Evakuierungsmarsch“, „Gewaltmarsch“, „Elendsmarsch“, „Todesmarsch“ oder „Häftlingsmarsch“ bezeichnet.

Der Begriff „Evakuierungsmarsch“ der sich eigentlich als „Jemanden in Sicherheit bringen“ definiert, irritiert in diesem Zusammenhang. Denn führt man sich vor Augen, was die zahlreichen ausgehungerten KZ-Häftlinge auf dem Todesmarsch erleiden und erdulden mussten, ist der Begriff „Todesmarsch“ hier unmissverständlicher für die Auswirkungen der sogenannten „Evakuierungs“/Räumungs-Aktionen der Konzentrationslager.

Dachauer Todesmarsch vom 27. auf den 28. April 1945

Foto: Benno Gantner, entstanden auf der Höhe von Starnberg-Percha.  

 

 

 

 

Plastik von Hubertus von Pilgrim (*1931), identisch an 22 weiteren Stationen des „Dachauer Todesmarsches“ (©Foto Haas).

Eine Plastik befindet sich in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem


Die Bezeichnung  „Todesmarsch“ taucht nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf, und gibt den Gräueltaten, die in den letzten Wochen vor Kriegsende (vor allem im Monat April 1945) im ganzen Dritten Reich auftraten, einen Namen.