7.19 Uhr, Donnerstag – Kinder

Als ich die Gechichte vom Offizier und seinem Sohn schrieb, erinnerte ich mich an meine eigene Kindheit. Ich wollte ein Held sein. Superman oder ein Spion wären mir am liebsten gewesen. Ich bastelte mir einen Spion-Ausweis. Ich wollte die Welt vor dem Bösen retten. Und dazu brauchte ich keine Uniform und keine Gleichgesinnten. Ein paar Sendungen im Fernsehen und ein paar Comics reichten aus, um mich zu verwandeln. Ich sah Ungerechtigkeiten und andere Situationen, in denen ich ein Held hätte sein können, wenn ich älter als zehn Jahre gewesen wäre. Aber da mich niemand bei dem Bestreben, ein Held oder ein Spion zu werden, unterstützte, wurde dieser Wunsch irgendwann Vergangenheit.

Und es fällt mir leicht, mir vorzustellen, was der Sohn des Offiziers fühlte. Unterstützt von einer Armee an anderen Kindern, die alle in dem Glauben, eben diese Helden zu werden, eine einheitliche Uniform trugen und sich so besonders fühlten. Stark und überlegen. Helden einer Nation.
Woher sollten sie wissen, dass der Weg falsch war? Woher sollten sie wissen, dass Naionalsozialisten keine Helden sind? Wer sollte es ihnen sagen, wenn selbst die Eltern so dachten oder ihre eigene Wertvorstellung aus Angst vor dem Regime für sich behielten?

Deshalb soll der Junge seine eigene Geschichte bekommen. Und vielleicht erkennt sich der eine oer andere Leser auf die eine oder andere Weise wieder. Und vielleicht hilft es, einen anderen Weg zu wählen.