Zukunft der Zeitzeugen

Ein wichtiger Bestandteil der heutigen Erinnerungskultur sind die Zeitzeugen. Sie berichten authentisch immer wieder von ihren persönlichen Schicksalen und Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Regime. Sie ermöglichen den Zuhörern einen besonderen Blick auf die Ereignisse und machen die Geschichte für sie lebendig.

Aber die Ära der Zeitzeugen wird in kurzer Zeit, 73 Jahre nach Kriegsende, zu Ende sein und es stellt sich die Frage, wie man diese Lücke für die Erinnerungskultur verkleinern kann, denn wenn es keine persönlichen Berichte mehr gibt, lässt die Emotionalität nach und die Geschichte berührt weniger.

Einige Zeitzeugen haben ihre Erlebnisse verschriftlich und in Autobiografien der Nachwelt hinterlassen.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Aufzeichnung von Zeitzeugen-Interviews und deren Bereitstellung im Netz, sodass sie unkompliziert vielen Menschen schnell zugänglich sind.

Ein besonderes Projekt initiierte die Gedenkstätte Villa ten Hompel in Münster. Im Rahmen dieses Projektes begleiten sogenannte „Erinnerungspaten“ die Zeitzeugen, führen Zeitzeugengespräche und zeichnen diese auf. Ziel ist es, sich mit einem Schicksal ausführlich auseinander zu setzen, um die persönliche Geschichte für die Nachwelt zu konservieren.

Ein Beispiel für dieses Konzept ist die Überlebende Liesel Binzer, deren Erinnerungspate Matthias M. Ester ist. Er führte im Mariengymnasium ein Zeitzeugengespräch, zeigte Fotos und Dokumente und dokumentierte das Gespräch als Tonaufnahme. Er begleitet Liesel Binzer schon seit mehreren Jahren. Von den tiefen Einblicken in das Leben des Zeitzeugen und von der persönlichen Beziehung erhofft man sich, dass die Paten in die Lage versetzt werden, die Geschichte möglichst authentisch darstellen und weitertragen zu können.