Geschichte ist wichtig!

Montag 3./4. Stunde Geschichte

Geschichtsunterricht, zum Gähnen. Thema: Zweiter Weltkrieg.  Mal wieder.

Eine immer wiederkehrende Frage: Was geht mich die Vergangenheit an? Sie ist vorbei, nicht mehr da. Ich lebe doch jetzt, das sollte mich interessieren. Nicht was vor Hundert Jahren war, sondern was morgen ist, dass möchte ich wissen.

Sicherlich hat sich jeder von uns diese Frage schon einmal gestellt. Immer dann, wenn der Lehrer redet und redet und man ihm schon lange nicht mehr folgen kann. Aber ist das Geschichte? Muss Geschichte so sein? Und ist Geschichte = Vergangenheit?

Bei uns Teenagern ist Geschichte immer mehr verpöhnt. Sie wird immer dann herausgeholt, wenn jemand nicht mehr weiter weiß und daraufhin mit der schrecklichen Vergangenheit kommt, gleich folgend mit dem Satz: „Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr es habt“. Lehrer tun das, Eltern tun das, Großeltern tun das. Selbst die Politik bedient sich der Grausamkeiten der Vergangenheit. Kein Wunder also, das wir, die junge Generation, Geschichte öde findet und ihr nichts abgewinnen kann. Sie schwebt wie eine Gewitterwolke über uns und droht immer dann los zu donnern, wenn wir uns beschweren. Die Vergangenheit ist zu einer Mahnung geworden.

Warum also sollten wir uns dennoch für Geschichte interessieren?

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verurteilt sie zu wiederholen“

„Aus den Fehlern der Vergangenheit, kann man für die Zukunft lernen“

Sprüche wie diese gibt es zu genüge. Sie alle machen deutlich, dass wir die Vergangenheit kennen müssen um die Zukunft zu gestalten. Obwohl wir das wissen, erscheinen uns diese Sprüche mehr wie Kalendersprüche als ernst zu nehmende Aussagen. Es ist das Totschlagargument schlechthin. Aber ist es denn auch wahr, müssen wir die Vergangenheit kennen um unsere Zukunft gestalten zu können. Können wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen?

Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann merkt man schnell, dass aus der Vergangenheit lernen leichter gesagt als getan ist. Kriege, Hunger, Verfolgung, all das scheint sich, unabhängig von unserem Wissen über die Vergangenheit, immer und immer wieder zu wiederholen. Das heißt aus der Vergangenheit zu lernen gestaltet sich schwierig und gelingt nicht immer. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Vergangenheit sehr wichtig für uns alle ist.

Damit ihr das besser versteht, gebe ich euch ein Beispiel: Wenn ihr einen Arzt fragt, was dass Wichtigste und Erste ist, was man bei der Aufnahme des Patienten macht, dann antworten diese: die Krankengeschichte. Damit euch ein Arzt optimal behandeln und herausfinden kann, was mit euch nicht stimmt, muss er eure gesamte Krankengeschichte kennen. Weiß er z.B. nicht, dass ihr ein bestimmtes Medikament nicht vertragt, könnte er euch ausversehen umbringen. Erzählt ihr ihm nichts von dem Schlag in die Magengrube, könnte er eure inneren Blutungen übersehen. Die Krankengeschichte ist also das allerwichtigste, wenn ihr wieder gesund werden wollt. Übertragen wir dieses Beispiel auf die Erde bedeutet dass, um so leben zu können, dass ihr der Welt um euch herum nicht schadet, müsst ihr erst wissen, was sie nicht verträgt, was sie krank macht und warum sie so ist, wie sie ist. Erst dann ist es euch möglich ihr zu helfen oder auch einfach euer Leben zu führen ohne Schaden anzurichten. (Falls ihr wissen wollt, wie ich auf diesen Vergleich gekommen bin. Sagen wir einfach nur: Grey’s Anatomy 😉 )

Ihr seht also, wenn wir ignorieren was die Vergangenheit für Unverträglichkeiten, Allergien oder Verletzungen aufgedeckt hat, dann müssen wir das immer wieder und wieder aufs neue herausfinden.

Dazu noch einmal ein anderes Beispiel:

Stellt euch vor ihr ihr würdet alle 24 Stunden euer Gedächtnis verlieren. Ihr würdet jeden Morgen, immer wieder aufs Neue, versuchen müssen herauszufinden wer ihr seid, was ihr tut und was passiert ist. Immer und immer wieder. Ihr würdet nicht vorankommen mit eurem Leben, hättet keine Vergangenheit und keine Zukunft, weil ihr die ganze Zeit, die gleichen Dinge immer und immer wieder macht. Ihr wisst ja auch nicht, dass euch das mit dem Gedächtnisverlust öfters passiert. Also seid ihr dazu bestimmt, jeden Tag die gleichen Fehler wieder zu machen. Immer wieder das Auto mit dem Platten zu nehmen oder Marmelade zu essen, obwohl ihr Marmelade nicht ausstehen könnt. Euch bleibt es verwehrt aus euren Fehlern zu lernen. Ihr könnt euch auch nicht näher kennenlernen. Das Einzige was ihr dann von euch kennt, ist die Gegenwart. Ich will nicht sagen, dass die Gegenwart schlecht ist, aber ohne eine Vergangenheit und Zukunft ist euer Leben nicht vollständig, zusammenhangslos. Vielleicht würde euer gedächtnisverlierendes Ich irgendwann auf die Idee kommen alles aufzuschreiben, um sich so die Möglichkeit zu schaffen nicht immer von vorne anfangen zu müssen, sondern aus den Erkenntnissen von gestern zu lernen. Ihr würdet dankbar für diese Briefe sein, dankbar für die Chance voranzukommen. Wir haben diese Chance, ganz ohne, dass wir etwas dafür tun müssen. Wir können dankbar sein, denn nur dadurch das wir eine Vergangenheit haben, dass es Erkenntnisse gibt, die vor uns schon da waren, nur dadurch ist Fortschritt möglich.

Unsere Vergangenheit ist also gar nicht so vergangen. Sie lässt sich in unserem Fortschritt wiederfinden. Sie macht ihn überhaupt erst möglich. Und genau das ist es, warum ich behaupte, dass die Vergangenheit, die Geschichte uns alle etwas angeht.

Zusammengefasst ist Geschichte wichtig, weil sie es ist, die uns neue Perspektiven eröffnet, den Fortschritt möglich macht, Zusammenhänge schafft, wo vorher nur Chaos war und als ein Teil von uns allen unser Leben vollständig macht.