Folgen

Die Bundesrepublik nach dem Attentat

  • 26.09.1972: Gründung der GSG 9: Spezialeinheit der deutschen Bundespolizei zur Bekämpfung von Schwerst- und organisierter Kriminalität sowie Terrorismus
    • ab April 1973 einsatzbereit
  • 29.10.1972: Palästinenser entführen eine Lufthansa-Boeing mit 13 Passagieren nach Zagreb
    • Forderung: Freilassung der 3 überlebenden Olympia-Attentäter
    • BRD gab nach; ließ diese innerhalb kürzester Zeit ausfliegen – die Israelis waren entsetzt
  • Ausweisungswelle von Arabern, vorwiegend Palästinensern, aus der Bundesrepublik:
    • Proteste im In- und Ausland
    • Entlassung und Ausweisung von potenziellen palästinensischen Terroristen ohne größere Untersuchungen möglich
    • Ablehnung der arabischen Vermittler, die bei Befreiungsversuchen der Geiseln mitgeholfen hatten
    • Verbot von vielen palästinensischen Organisationen, u.a. Studentenvereinigungen und Arbeiterverbände
  • verschärfte Kontrollen an Grenzen und Flughäfen
  • Kritik an Vorgehen der Polizei in Bezug auf diesen Fall

Verschlechterung der Beziehungen zu Israel

  • auf staatlicher Ebene waren die Beziehungen auf einem Tiefpunkt
  • Probleme gab es auch wegen einer Entschädigung der Hinterbliebenen

Ankie Spitzer (66) ist die Witwe des israelischen Fechttrainers André Spitzer, der bei den Olympischen Spielen in München von palästinensischen Terroristen ermordet wurde. Sie kämpfte viele Jahre für ein würdiges Gedenken an die Opfer in München und bei den Olympischen Spielen.

Interview mit dem BR, 2014 [1]:

BR.de: Hat sich je ein deutscher Politiker bei Ihnen entschuldigt?

Ankie Spitzer: Klaus Kinkel, den ich im November 1992 in Jerusalem traf, sagte mir, dass er persönlich beschämt davon sei, was in München passiert sei. Einige Jahre später, im Februar 2000, traf ich Bundespräsident Johannes Rau. Bei dem Treffen waren auch der israelische Präsident Ezer Weizmann und Yossef Romanos Frau Ilana dabei.

BR.de: Später bekamen Sie und andere Hinterbliebene eine Entschädigung.

Ankie Spitzer: Wir bekamen 30 Jahre nach dem Massaker eine Entschädigung in Höhe von drei Millionen Euro. Eine Million zahlte Bayern, eine Million die Stadt München und eine Million die Bundesrepublik Deutschland. Wir mussten von dem Geld Gerichtskosten zahlen. Das Geld wurde unter 25 Personen, die beim Attentat ein Familienmitglied verloren hatten, aufgeteilt. Die Zahlung war für uns vor allem ein Schuldeingeständnis der Deutschen.


Das Vorgehen Israels gegen den palästinensischen Terror:

  • 08.09.1972: Jagdflieger greifen in Libanon und Syrien palästinensische Lager an – 200 Menschen sterben; laut Israel ausschließlich Terroristen
  • etwas später: Israel schickt Soldaten mit Panzern und Kampfflugzeugen nach Südlibanon, wo 45 Männer erschossen und hunderte Häuser zerstört werden
  • Die israelische Premierministerin Golda Meir verkündet: „Aus der blutdurchtränkten Geschichte des jüdischen Volkes wissen wir, dass Gewalt, die mit der Ermordung von Juden beginnt, mit der Ausbreitung von Gewalt und Gefahr für alle Menschen aller Nationen endet. Wir haben keine Wahl, als gewaltsam gegen terroristische Organisationen vorzugehen, wo immer wir sie erreichen können. Das ist unsere Verpflichtung gegenüber uns selbst und für den Frieden.“[2]
  • In der Knesset führte sie noch folgendes aus: “ „Wo immer ein Anschlag vorbereitet wird, wo immer Menschen die Ermordung von Juden und Israelis planen – genau dort müssen wir zuschlagen.“[3]
  • Das heißt, dass der israelische Geheimdienst handeln soll, bevor es zu Anschlägen kommt.
  • Gleichzeitig will man durch „Abschreckung“ die palästinensischen Terroristen abhalten, Anschläge durchzuführen.
  • Ein geheimes „Komitee X“ (bestehend aus Teilen der Regierung und des Geheimdienstes) verhandelt über Verdächtige; im Falle eines Todesurteiles. kommt der israelische Geheimdienst Mossad mit dem Spezialkommando „Caesarea“ zum Einsatz, Mission „Operation Zorn Gottes“.
  • Sie töten innerhalb von 2 Jahrzehnten viele Menschen aus dem Umkreis des „Schwarzen September“, die sie für Hintermänner hielten, teilweise aber auch unschuldig waren.
  • 21.07.1973: erschießen sie einen nachweislich unschuldigen Mann in Norwegen -> norwegische Polizei verhaftet halbes Dutzend israelische Agenten; in Prozess wird Vorgehen der Mossad veröffentlicht; Meir befiehlt Pause
  • 22.01.1979: einer der drei überlebenden Olympia-Attentäter wird ermordet, mit ihm sterben Passanten. Bald darauf stirbt ein weiterer.
  • Juni 1992: letzter Einsatz des „Caesarea“-Kommandos
  • Ziel nicht ganz erreicht: zwei Hintermänner entwischten
  • Vorfall in Norwegen schadete israelischem internationalen Ansehen über viele Jahre
  • Januar 1996 bot Ministerpräsident der Familie des Erschossenen finanzielle Entschädigung an „Israel wird keine Verantwortung übernehmen, denn Israel ist keine Mordorganisation.“

[1] https://www.br.de/nachricht/olympia-attentat-spitzer100.html

[2] Die Rächer, Aaron J.Klein, München, 2006, S.7

[3] Ebenda, S. 121

https://www.wn.de/Welt/Politik/2012/09/Vor-40-Jahren-Das-Attentat-von-Muenchen-1972-die-Tragoedie-der-heiteren-Spiele/Das-Attentat-von-Muenchen-1972-Die-Folgen-des-Anschlags (17.10.2020; 8.00-8.08 Uhr)

https://www.bundespolizei.de/Web/DE/05Die-Bundespolizei/04Einsatzkraefte/GSG9-neu/01-Die-GSG9/Dreispaltig/Entstehung/entstehung_node.html (17.10.2020; 17.26-17.29 Uhr)

https://www.spiegel.de/geschichte/israelisches-toetungskommando-caesarea-a-951203.html (18.10.2020; 16.35-17.14 Uhr und 19.10.2020; 17.56-18.01 Uhr)

https://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/500830#Die_Konsequenzen (20.10.2020; 13.05-14.01 Uhr)