Was bleibt?

„Bis heute meinten wir immer, dass Dachau in der Nähe von München liege. Von nun an liegt München leider in der Nähe von Dachau.“

israelischer Außenminister Abba Eban nach dem Attentat 1972

Während der Erarbeitung dieses Projekts haben wir oft über die Aktualität und die Bedeutsamkeit des „Olympia-Attentats“ gesprochen. Jeder zog am Ende ein persönliches Fazit. Hier drei Beispiele:…


„Antisemitismus, und somit die Verletzung der Menschenrechte, geht uns alle etwas an und momentan wird der Blick auch wieder etwas stärker auf die Unterdrückung von Menschen gewandt. Dies allerdings nicht ohne Grund, denn schon allein die Enthauptung des Lehrers in Paris, folgende Androhungen auch in Deutschland, der Jahrestag des Attentats in Halle und Äußerungen im Zuge der Querdenker-Demonstrationen zeigen, dass die Welt noch nicht in Frieden lebt und auch dieses Thema seine Aktualität noch nicht abgelegt hat. Somit haben wir es uns mit dem Hintergrund des Jugendaustausches mit Israel zur Aufgabe gemacht, uns mit Antisemitismus und dem Nah-Ost-Konflikt zu beschäftigen. Dabei haben wir passend zu dem aktuellen Thema des Terrorismus‘ das Attentat 1972 auf die olympische israelische Mannschaft gewählt, denn Gewalt ist hierbei ein Ausdruck von Hass, mit dem nicht umzugehen gewusst wurde. Durch das mehrfache Beleuchten der Geschehnisse und dazugehörigen Hintergründe aus verschiedenen Blickwinkeln haben wir jedoch gelernt, dass die Geschichte ein wichtiger uns zugängiger Schatz ist, aus dem wir Fäden ziehen können, um Fehler nicht zu wiederholen, Strategien zu verbessern, Handlungen, Situationen, Ansichten, … zu verstehen, … Es gibt so viel, dass wir aus ihr und von den Menschen, die sie gestaltet haben, lernen können, dass wir diesen Schatz auf keinen Fall vernachlässigen dürfen. Wir haben gelernt, die Augen zu öffnen für all die Missstände, die manchen als Historie erscheinen, aber immer noch präsent sind, und dass gehandelt werden muss. Alle Menschen sollten die Augen öffnen und sich und ihre Mitmenschen bilden, Werte weitergeben, und Liebe statt Hass verbreiten, aus Fehlern lernen, hinterfragen, handeln und zur Optimierung momentaner Situationen und Behebung aktueller Probleme beitragen. Denn das Leben unserer israelischen Freunde geht uns ebenso wie das Leben aller anderen Menschen etwas an. Die Welt hat Frieden verdient und wir sollten daran arbeiten, ihn ihr zu bescheren. Das Thema um das Attentat 1972 auf die israelische Olympiamannschaft hat uns somit eine wunderbare Möglichkeit geboten, uns fortzubilden, zu hinterfragen, lernen und uns die Augen ein Stück weiter für die Geschehnisse in unserer Umgebung geöffnet. Die in diesem Zuge gestaltete Website soll dies nun auch anderen Menschen ermöglichen.“

Anne Hockeborn


„Heute, Jahre nach dem Attentat, hat Deutschland, Israel und die ganze Welt aus früheren Fehlern gelernt. Nicht nur aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch aus späteren Attentaten, wie auch das während der olympischen Spiele 1972.
Das Ereignis während der eigentlich „heiteren Spiele“, schockierte die ganze Welt und löste, vor allem durch die Live-Übertragungen und Berichterstattung, Angst und Empörung aus.
Die Angst vor dem Holocaust und der Hass in der Gesellschaft Israels, war nach erst 30 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch stark verbreitet und so wurde auch durch die geographische Nähe Bezug zum Konzentrationslager in Dachau genommen. Für viele war es ein Schock, dass Juden wieder auf deutschen Boden getötet wurden.
Heute kann man sagen, dass die Bindung Deutschlands und Israels langfristig gestärkt wurde, obwohl das Attentat natürlich kurzfristig eine starke Belastung war. Es löste einen Wendepunkt in den israelischen Beziehungen mit der arabischen Welt, aber auch in den Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland aus.
Auch in Deutschland fanden viele Veränderungen statt. Eine Neuorganisation der Sicherheitskonzepte und die Gründung der GSG9 waren Folgen.“

Sarah Hackert


„Nach den Verbrechen des 2. Weltkrieges sollten die Olympischen Sommerspiele 1972 vor allem für Weltoffenheit, Heiterkeit und Freiheit stehen. Man wollte die Vergangenheit hinter sich lassen und unvoreingenommen in die Zukunft blicken. Doch genau diese als „heiter“ geplanten Spiele 1972 sorgten für das Gegenteil.
Plötzlich blickten alle zurück in die Vergangenheit. Statt des Erfolges der Spiele, standen nun erneut die Fragen nach dem „Warum“ und der Vermeidbarkeit des Verbrechens im Raum. Deutschland und Israel haben eine schwierige gemeinsame Vergangenheit. Bis heute können und wollen viele Juden Deutschland nicht nur als normales Land, sondern immer noch als Albtraum anschauen. Über 30 Jahren nach den Nazi-Verbrechen war die Hoffnung, dies endgültig hinter sich gelassen zu haben, groß. Plötzlich rückte Dachau immer näher. Deutschland war doch noch nicht so sicher wie sie dachten.
Hass und Rassismus. Bis heute leider ein riesiges Problem in der Welt. Oft wird es heruntergespielt und verdrängt. Obwohl es ein durchgehend präsentes Problem ist. Mit diesem Projekt und dem Austausch wollen wir genau dagegen kämpfen. Für das „Nicht Vergessen“ der Vergangenheit und für Toleranz und Weltoffenheit.
ZU BEGINN DER SPIELE LAG DACHAU NOCH 14 KM WEIT VOM AUSTRAGUNGSORT ENTFERNT. DANACH WAREN ES NUR NOCH NAHE 14 KM.

Marieke Zimmer


Ellenbogenkraft und Rücksichtslosigkeit
das brutale Sich-selbst-durchsetzen des Verbrechers.
und im Falle des Kollektivs:
„DER HERRENRASSE“.
(niemand ist frei davon)
Unser täglich Auschwitz gib uns heute….
(aber wir vergeben nicht!)
Täglich werden Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe,
ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität
diskriminiert.
Täglich dürfen Menschen den Holocaust leugnen.
Täglich werden Menschen für nichts und wieder nichts
geschlagen, getreten, verprügelt.
Täglich terrorisieren Menschen andere in ihrem „privaten“
Auschwitz
Täglich TUN MENSCHEN ANDEREN MENSCHEN WEH,
egal ob durch Worte oder Taten.
Täglich trampeln Menschen auf den Gefühlen anderer
herum.
Gehörst Du nicht auch dazu?
Verdrängung ist so billig, so einfach.
Auschwitz ist kein Mythos.
An so vielen Orten der Welt
passiert Auschwitz tagtäglich.

ES HEIßT NUR ANDERS.

AG Geschichte des Gymnasiums Franziskaneum Meißen und des Werner-von-Siemens Gymnasiums Großenhain, in “ … und alle sahen weg – KZ Auschwitz“ Broschüre für den Geschichtsunterricht – Meißen 2007